Wer dachte, dass im aktuellen Tarifkonflikt bei der Bahn der dramatische Höhepunkt erreicht sei, sieht sich getäuscht: Nun wechselt Bodo Ramelow fix mal von der Thüringer Staatskanzlei als gewerkschaftlich bestellter Schlichter an den Verhandlungstisch. So etwas hat es noch nicht gegeben. Ramelow geht damit ein weit größeres Risiko ein als sein amtsbefreiter Mitstreiter Matthias Platzeck. Wenn es nämlich nicht klappen sollte mit der Schlichtung, stünde der aktive Ministerpräsident arg ramponiert da.

Ganz anders bei einer Einigung: Basis dafür ist, dass die Gewerkschaft der Lokführer auch andere Berufsgruppen der Eisenbahner mitvertreten dürfte. Die Macht der Kleingewerkschaft wäre nicht gebrochen, sondern würde wachsen - mit Bodo Ramelow als Paten. Welch eine Ohrfeige droht da der Großen Koalition! Das Tarifeinheitsgesetz, das die Regierung heute durch den Bundestag bringen will, wäre völlig durchlöchert, kaum dass es beschlossen ist.