Frei nach einem Zitat des amerikanischen Schriftstellers Carl Sandburg "Stell Dir vor, es ist Revolution, und die Welt sieht stillschweigend zu" beobachten demokratisch regierte Länder die Ereignisse in Tunesien, Ägypten und in anderen Nahost-Staaten aus sicherer Distanz. Die leisen Worte der Empörung aus Deutschland, Frankreich oder den USA verhallen. Deshalb musste sich vor allem Barack Obama in den vergangenen Tagen viel Kritik gefallen lassen.

Der Friedensnobelpreisträger verkündet die Menschenrechtstöne nur verhalten. Denn für Obama haben – wie für seine Vorgänger – strategische Interessen oberste Priorität. In diesem Licht sind auch amerikanische Verhandlungen über eine Interimsregierung zu sehen. Ob sich nun Tunesien, Ägypten oder vielleicht auch der Jemen wandelt, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Der US-Präsident steckt generell in einem Dilemma: Die Demonstranten hoffen zwar auf eine Unterstützung der Großmacht, doch ein Eingreifen wird mit Skepsis betrachtet. Jede Oppositionsgruppe, die US-amerikanische Hilfe annehmen würde, gälte als Handlanger von "Uncle Sam". Und das kommt in Arabien nicht gut an.(Politik)