Rein militärisch ist es für Frankreich und erst recht für die NATO kein Problem, Gaddafis Luftabwehr, seine Luftwaffe und seine Panzertruppen zu zerschlagen. Und dann? Zieht dann die NATO quasi als Speerspitze der Aufständischen, wer immer das auch sein mag, gen Tripolis? Spätestens dann würde die NATO Kriegspartei. Genau das hat die deutsche Außenpolitik mit ihrer Enthaltung bei der Abstimmung über eine Flugverbotszone für Libyen im UNO-Sicherheitsrat wenigstens für Deutschland verhindert.

Angesichts der unsicheren Lage in etlichen arabischen Ländern muss man sich einmal vorstellen: Jede Oppositionsbewegung gegen einen dieser Despoten gerät in Bedrängnis und ruft die NATO, die USA oder Europa um Hilfe - und bekäme sie auch. Wie schnell würde so manche Gegenseite in ihrer Not behaupten, der Westen führe Krieg gegen den Islam? Für Terroristen unter dem Mantel des Islam wäre das ein gefundenes Fressen und für radikalisierte Muslime das Signal zum Bombenlegen - auf europäischen Straßen, in europäischen Zügen, auf Flugplätzen in aller Welt. Von solcher asymmetrischen Kriegsführung wäre dann jeder betroffen, selbst wenn er weit vom Brandherd entfernt wäre. Auch das können Ergebnisse untauglicher Versuche sein, Demokratie zu exportieren.

Gaddafi ist zweifellos einer der übelsten Diktatoren. Der Westen hofierte ihn, um Flüchtlingsströme von Europa fernzuhalten, wegen des Erdöls - und weil er Unterstützung im Kampf gegen den Terror versprach. Jetzt wankt Gaddafi und NATO-Flugzeuge feuern über Libyen Raketen ab. Das Mittelmeer ist jetzt militärische Aufmarschbasis. Was mag das für ein Gefühl sein, wenn die vielen Passagierschiffe während ihrer Mittelmeerkreuzfahrten auf Flugzeugträger treffen oder Kampfbomber über sie hinwegdonnern? Und wer wird da noch völlig sorglos im Ferienflieger das Mittelmeer überqueren?(Politik)