Ein Mann verliert sein Gesicht. Karl Theodor zu Guttenberg bezog seine hohen Sympathiewerte aus dem Nimbus, ein aufrechter und geradliniger Politiker zu sein. Der Träger vieler Hoffnungen deutscher Konservativer galt bisher als ein Mann des klaren und ehrlichen Wortes.

Das war einmal. Tsunamigleich schwoll in dieser Woche die Zahl jener Beispiele an, die nahelegten, Guttenberg habe Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren zusammengeklaubt. Der Bundesverteidigungsminister – ein Plagiator? Sollte das wirklich wahr sein, wird künftig bei jedem Wort, das der Politiker Guttenberg spricht, die Frage im Raum stehen, ob das nicht ausgeborgt sein könnte. Dieser Verlust der Glaubwürdigkeit ist nahezu irreparabel. Und er ist Wasser auf die Mühlen all jener, die pauschal jeden Adligen allein wegen seiner Herkunft verdammen. Und er ist Futter für all die Neider, die trotz ihrer Ochsentour durch die Partei-Instanzen in den Zwischenebenen des Mittelmaßes klebenblieben. Guttenberg indes ist ohne Ochsentour aufgestiegen bis in höchste Sphären der deutschen Politik. Seine Fallhöhe ist also beträchtlich.

Und es sieht nach Absturz aus. Welche Autorität bleibt denn einem Minister noch, der von jener Zeitung verspottet wird, bei der er sich für seine Doktorarbeit bedient hat, ohne die Fremdurheberschaft zu kennzeichnen? Und wie viel Selbstbeschädigung will sich Guttenberg noch zumuten, nachdem er gestern offenbar scheibchenweise den Rückzug antrat?

Es war einmal. So fangen nicht nur Märchen an. So geht auch eine Politikerkarriere zu Ende, an deren Wegesrändern jetzt (noch) Sympathiebekundungen und Solidaritätsadressen aus dem eigenen politischen Lager stehen. Guttenberg steht vor einem Scherbenhaufen. Und der ist viel größer als all das, was nach den Affären um Kundus, auf der "Gorch Fock" und um geöffnete Soldatenpost zusammenkam. Jetzt geht es um einen Grundwert, um Ehrlichkeit. Und den halten gerade auch Konservative sehr hoch. (Politik)