Muammar al-Gaddafi ist in Bedrängnis das, was er immer war: ein gewissenloser Schurke. Insofern lag der frühere US-Präsident George W. Bush ausnahmsweise richtig damit, Libyen Anfang des Jahrtausends als Schurkenstaat einzuordnen. Der Fehler war, dies zurückzunehmen, nachdem sich Gaddafi nach außen handzahm gab. Ihn aber nun – ob auf Wunsch der Rebellen oder auf andere Initiativen hin – mit westlicher Militärgewalt aus dem Amte treiben zu wollen, wäre falsch und gefährlich.

Schon einmal sind US-Bomben auf Tripolis gefallen, 1986 als Vergeltung für den Gaddafi-Terrorismus. Den Libyern hat das nicht geholfen, 25 Jahre später haben sie den Despoten noch immer am Hals. Natürlich sollte er seine Rest-Macht so schnell wie möglich loswerden. Das ist aber durch NATO-Bomben nicht garantiert. Es droht Dauerkrieg, wie im Irak oder in Afghanistan. Und was passiert, wenn der Umbruch auf die Golfstaaten übergreift, auf deren Öl der Westen angewiesen ist? Soll dann das riesige Saudi-Arabien zur NATO-Besatzungszone werden?

Nein, dieser arabische Frühling muss arabisch bleiben, bei allen Opfern. Wann werden die Völker im Nahen Osten sonst je wieder die Chance haben, den Fluch der Fremdbestimmung endlich loszuwerden?(Politik)