Die Jasminblüte steht im Reich der Mitte hoch im Kurs – als Tee oder als beliebtes Volkslied, ja gar inoffizielle Hymne "Molihua" aus der Qing-Dynastie. Dass ausgerechnet diese Blüte Namenspate für eine revolutionäre Bewegung sein soll, die aus dem arabischen Raum auf China übergreift, ist für Funktionäre der Kommunistischen Partei eine unvorstellbare Zumutung. Um die Pflanze daran zu hindern, dass sie nach Freiheit strebende Blüten treibt, wurden Proteste in mehreren chinesischen Städten von den Behörden sofort im Keim erstickt. Aktivisten wie der Menschenrechtsanwalt Teng Biao wurden zum Tee geladen – eine Redensart, die man verwendet, wenn Regierungsgegner von der Staatssicherheit abgeholt werden.

Selbst wenn das Tian-An-Men-Massaker von 1989 noch immer eine lähmende Wirkung auf Demonstranten ausstrahlt – Abwarten und Tee trinken werden sie nicht mehr lange.(Politik)