Der von Unionsfraktionschef Volker Kauder erneut angefachte Streit um einen EU-Beitritt der Türkei ist so überflüssig wie ein Kropf. Bisher ist Deutschland gut mit seiner Position gefahren, den Verhandlungen ihren Lauf zu lassen – bei offenem Ausgang. Wenn die Türkei tatsächlich zum Brüsseler Klub stoßen sollte, wird frühestens die Politiker-Generation nach Kauder beschäftigen.

Es ist zudem äußerst unklug, wenn ausgerechnet jetzt aus Berlin Sand ins Getriebe der deutsch-türkischen Beziehungen gestreut wird. Der Nahe Osten befindet sich mitten in einem Umbruch, von dem niemand weiß, wohin er führt. Eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieses Konfliktes kommt dem NATO-Partner Türkei zu. Fast 90 Jahre Erfahrung beim Aufbau eines säkularen und demokratischen Staates – mit allen Rückschlägen – können für eine arabische Welt nach Mubarak und Gaddafi nur hilfreich sein.(Politiker)