Dass sich eine so große Mehrheit der in der GDL organisierten Lokomotivführer für einen Dauerstreik entscheiden würde, war so nicht zu erwarten. Doch die zuletzt geäußerten Warnungen aus Politik und Wirtschaft vor negativen Folgen eines Bahnstreiks verfingen bei mehr als 90 Prozent der Abstimmenden nicht.

Die GDL-Führung hat damit die erste Hürde auf dem Weg zu einem einheitlichen Lokführer-Tarifvertrag genommen. Sie kann ins Feld führen, dass der Streik das verbriefte Recht der Arbeitnehmer zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen ist und dass es nicht in Ordnung ist, wenn einer für die gleiche Arbeit 30 Prozent weniger verdient als sein Kollege. Zudem sind die Lokführer eine kampfentschlossene Truppe, die vor drei Jahren dem DB-Konzern einen Tarifvertrag abgetrotzt hat.

Doch ohne Verständnis für ihre Ziele dürfte es die GDL schwer haben, zum Erfolg zu gelangen. Angesichts von Millionen betroffenen und allzu schnell verärgerten Bahnkunden wird viel vom Geschick des GDL-Chefs Claus Weselsky abhängen, in der Öffentlichkeit Verständnis für seine Leute zu wecken. Nicht nur über ein, zwei Tage, notfalls über Wochen. Die echte Bewährungsprobe für Weselsky kommt erst noch.