Böhmers Abschiednehmen nähert sich seinem Ende. Vor der Neuwahl des Regierungschefs am Dienstag und damit dem endgültigen Ausscheiden wurde dem Urgestein sachsen-anhaltischer Politik im Bundesrat mit ungewöhnlich herzlicher Anerkennung Adieu gesagt.

Mit dem 75-jährigen Wolfgang Böhmer verlässt ein glühender Verfechter der föderalen Belange die Länderkammer. Das hat er wiederholt unter Beweis gestellt. Wie in Sachsen-Anhalt selbst, so hat Böhmer auch im Verein der Länder über Parteigrenzen hinweg für die gemeinsame Aufgabe gewirkt und bei so manchen scheinbar unüberwindbaren Hindernissen eine Lösung gefunden, so zum Beispiel beim Kompromiss zur Hartz-IV-Reform. Sein Verhandlungsgeschick wurde immer wieder gelobt.

Auch in seiner letzten Rede im Bundesrat zum Reformprogramm Deutschland 2011 nahm Böhmer kein Blatt vor den Mund und nannte in seiner unnachahmlichen Art die Dinge beim Namen. Böhmer wäre nicht Böhmer, wenn er nicht noch einen guten Rat zum Schluss hätte: Der Bundesrat möge trotz aller unterschiedlichen Meinungen immer das Gemeinsame höher gewichten und die Funktionsfähigkeit des Föderalismus unter Beweis stellen. Dem ist nichts hinzuzufügen.