Mit Ach und Krach konnte die US-geführte Koalition den Irak befrieden. Mit einem blauen Auge könnte der Einsatz der NATO in Afghanistan abgehen, wobei die Terror-Lunte dort weiter glimmen dürfte. Die entscheidende Front im Kampf gegen den islamistischen Extremismus aber hat sich längst ins Nachbarland Pakistan verlagert.

In den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes wechseln sich Bombenattentate der Terroristen mit den Gegenschlägen von US-Drohnen ab. Denn die pakistanische Armee wird der muslimischen Extremisten von Taliban und Stammesmilizen bis zu Al-Qaida nicht Herr. Der Tod von Bin Laden, durch den die Islamisten einen Märtyrer haben, heizt die Lage weiter an – aus dem Racheschwur wurde bei Peshawar die blutige Tat.

Das 200 Millionen Einwohner zählende Pakistan verfügt über Atomwaffen und pflegt eine Dauerfeindschaft mit dem mächtigen Indien. Das Land ist Verbündeter der USA mit verbreiteter Amerikafeindlichkeit, dem Washington so wenig vertraut, dass es den Fall Bin Laden lieber selber erledigte. Je mehr dieser Staat zur leeren Hülse wird, umso größer die Gefahr eines neuen Anti-Terror-Krieges – direkt in Pakistan.(Politik)