Osama bin Laden ist tot. Erschossen in Pakistan. Live übertragen in die Zentrale des US-Geheimdienstes. Wie im Film. Amerika bejubelt nicht den Tod eines Menschen, sondern den Sieg über den Staatsfeind Nummer eins. Nicht George Bush, der nach dem 11. September 2001 zum Feldzug gegen den Terror aufbrach, sondern dessen Nachfolger Barack Obama fährt die Punkte ein. Die geben ihm Rückenwind für die Präsidentschaftswahl 2012.

Der Terrorist und Hassprediger Nummer eins zieht keine Blutspur mehr. Dass die Welt deshalb sicherer ist, wie manche Politiker öffentlichkeitswirksam aufatmen, kann man nicht behaupten. Bin Ladens Hass-Ideologie lebt weiter – nicht nur in etlichen wirren Köpfen, sondern unter den Scheiteln jener Fundamentalisten, die die Flagge der Religion missbrauchen, um ihre Machtfantasien und Herrschaftsansprüche auszuleben. So bleibt denn der Hass, den Osama bin Laden gepredigt hat, eine Bedrohung für uns alle. Wie solche Saat aufgehen kann, ist auch in Deutschland zu verfolgen. Die Festnahme von drei Al-Qaida-Terroristen in Nordrhein-Westfalen hat das gerade gezeigt.

Möglich, dass Bin Laden für solche Leute zum Märtyrer wird. Aber eine Pilgerstätte werden sie nicht haben. Vorsorglich ist der Al-Qaida-Anführer auf See bestattet worden. Märtyrer hin, Märtyrer her. Ein toter Bin Laden ist für die USA besser als ein gefangener Terroristenführer, der vor Gericht gestellt, durchaus einiges zu sagen hätte, was den USA nicht angenehm sein dürfte.

Wer darüber orakelt, ob das Terrornetzwerk durch den Tod Bin Ladens geschwächt wird, sollte wissen, das Al-Qaida weit zersplittert ist in kriminelle Organisationen. Sie geben vor, aus religiösen Motiven heraus das Geschäft von Mord und Totschlag zu betreiben. Solcher Fanatismus ist unberechenbar. Deshalb kann niemand mit Bestimmtheit sagen, ob jetzt Heerscharen fanatischer Islamisten zum Bombenlegen ausziehen. Es ist Wachsamkeit angeraten, nicht Angst. Unsere Angst wollen solche unheiligen Krieger schüren. Sie wissen, Angst kann unser Leben dramatisch verschlechtern. Das ist es, was Osama bin Laden wollte. Jetzt ist er tot.