Griechenland will aus dem Euro raus – diese am Freitag verbreitete Parole ist dazu angetan, der Europäischen Union eine existenzielle Krise zu bescheren. Die stattliche Zahl deutscher EU-Skeptiker und Euro-Feinde frohlockt bereits: Wir haben es immer gewusst – das wird nie was mit der Währungsgemeinschaft. Lasst die Griechen sofort ziehen und die anderen unsicheren Kantonisten gleich mit!

Dass dies nach EU-Regelwerk aber einem Rausschmiss aus der Europäischen Union insgesamt gleichkommen würde, wird schon kleinergehalten. Weil die damit verbundene akute Gefährdung der europäischen Stabilität selbst hartgesottenen EU-Kritikern auf die Füße fallen würde.

Immer deutlicher freilich tritt ein Geburtsfehler der Euro-Gemeinschaft hervor: Die unterschiedliche Wirtschaftskraft von Staaten wie Deutschland und Griechenland lässt sich nicht durch eine gemeinsame Währung nivellieren. Der politisch gewollte Euro war ökonomisch nicht ausreichend untersetzt.

Da werden Erinnerungen wach: Im damals frisch gewendeten Ostdeutschland wurde 1990 die D-Mark eingeführt, obwohl das ökonomische Desaster dadurch absehbar war. Die Folge: Ein Milliardentransfer von West- nach Ostdeutschland über Jahrzehnte, um eine konkurrenzfähige Wirtschaft aufzubauen.

Etwas Ähnliches spielt sich ab, seitdem Athen Ende 2009 in Richtung Staatsbankrott abgerutscht ist. Der Euro-Rettungspakt, heiß umstritten und für Länder wie Irland und Portugal geändert und aufgestockt, ist unterm Strich nichts anderes als ein groß angelegtes Transferprogramm der ökonomisch potenteren Euro-Länder, allen voran die Bundesrepublik Deutschland, für die schwächelnden Partnerstaaten. Warnungen, die Europäische Union dürfe nicht zur Transfer-Union verkommen, sind daher kalter Kaffee: Sie ist es längst.

Und sie würde es bleiben, wenn die Griechen wieder ihre schwache Drachme in die Hand bekämen. Tricks bei den Schulden hin oder her. Denn ohne europäische Gelder müsste Athen den Offenbarungseid leisten – und Brüssel gleich mit. Eine bröckelnde Eurozone zöge mit ziemlicher Sicherheit den Zerfall der Staatengemeinschaft mit sich. Genau das riskiert, wer die Griechen weiter ausschmiert.(Wirtschaft)