Von Britta Gürke

Ein Kranz für die irischen Freiheitskämpfer, ein Schritt zurück, eine Verbeugung: Es sind Symbole, große und kleine Gesten, emotionale und bedeutungsgeladene Momente, mit denen Queen Elizabeth II. ihren ersten Besuch in Irland begonnen hat.

Was vor Jahrzehnten undenkbar schien, hat die 85 Jahre alte Monarchin nun getan. Sie reist an Orte, an denen Briten und Iren einst aufeinander schossen. Ihr Besuch wird als historisch gefeiert – und ist Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit der Republik Irland doch noch immer nicht selbstverständlich. Rund 6000 Polizisten und Soldaten müssen sie schützen, vor Sprengstoff und Protesten.

"Es ist ein kleiner Schritt für die Queen – aber ein riesiger Moment in der britisch-irischen Geschichte", sagte Mark Simpson vom britischen Sender BBC. Hundert Jahre lang hatte kein britischer Monarch den Fuß auf irischen Boden gesetzt. Seitdem ist in diesen viel Blut geflossen.

Von den 1920er Jahren an wurde der Süden Irlands Schritt für Schritt unabhängig vom Vereinigten Königreich. Nordirland aber gehört bis heute zu Großbritannien. Jahrzehntelange, blutige Kämpfe waren die Folge der Trennung. Auch nach großen Erfolgen im Friedensprozess ist Nordirland bis heute nicht ganz zur Ruhe gekommen.

Über die Dimension der Reise sind sich beide Seiten einig. Irlands Präsidentin Mary Mc-Aleese nannte sie "herausragend". Der britische Premierminister David Cameron sieht sie als "historischen Moment".

Fast den Atem hielten die Zuschauer an, als die Queen im Dubliner "Garden of Remem-brance", der den Opfern des Unabhängigkeitskampfes gewidmet ist, einen Kranz niederlegte und sich verbeugte. Die Hymne "God Save The Queen" erfüllte die Gedenkstätte. Die Zeitung "Irish Independent" feierte den Moment als "enorme symbolische Geste, die eine neue Ära in den Beziehungen zwischen den Ländern widerspiegelt". Vor den Toren aber lärmten die Demonstranten.

Weitere solcher Gesten werden folgen. Unter anderem wird die Queen ein Sportstadion besuchen, in dem beim ersten "Bloody Sunday" im November 1920 rund 30 Menschen von beiden Seiten starben.

Briten und Iren haben viel gemeinsam – ihre Sprache, Kultur, einen Großteil ihrer Geschichte. Unzählige Iren sind in Großbritannien geboren; rund sechs Millionen Briten haben einen irischen Großvater oder eine Großmutter. Ob die Queen es schaffen wird, diese persönlichen Brücken zwischen den Menschen auch zu politischen werden zu lassen, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.

Der frühere britische Pre-mierminister John Major – in den 1990er Jahren maßgeblich am Friedensprozess beteiligt – sieht in der Reise jedenfalls einen Schlussstrich unter der Vergangenheit: "Ich denke, er wird einen neuen Richtpunkt für die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Irland setzen." (dpa)