Sachsen-Anhalts Kultusminister Olbertz genießt deutschlandweit einen exzellenten Ruf. Er hat die Bildungspolitik im Land nach vorn gebracht. Die Bundes-CDU hat ihm die Leitung der Reformkommission "Bildungschancen und Erziehung" übertragen – und das, obwohl er nicht einmal Mitglied der Partei ist. Im Oktober soll er nun das Amt des Präsidenten der renommierten Humboldt-Universität in Berlin antreten.

Es ist schon sehr merkwürdig, dass nun wissenschaftliche Arbeiten von Olbertz hervorgekramt werden, die seinem bislang tadellosen Image schaden sollen. Warum ausgerechnet jetzt? Schließlich ist Olbertz schon seit 2002 Kultusminister in Sachsen-Anhalt. Was läuft da also wirklich im Hintergrund? Soll Olbertz mit einer Intrige doch noch das Präsidentenamt genommen werden? Wenn ja, warum? Und wer steckt dahinter? Es darf viel gerätselt werden in diesen Tagen. Olbertz hat auf jeden Fall schon einmal einen bitteren Vorgeschmack auf das bekommen, was ihn in Berlin erwartet.

Die jetzt öffentlich gewordenen Anwürfe gegen seine Person sind schäbig, teilweise sogar ehrabschneidend. Da werden auch schnell mal Zitate verfälscht, um Olbertz schlecht aussehen zu lassen. Einfach nur lächerlich und absolut überdreht ist es, den als klugen Pragmatiker geschätzten Kultusminister als "ideologischen Einpeitscher" darzustellen. Dass der DDR-Theologe Richard Schröder Olbertz sogar als "Dünnbrettbohrer" bezeichnet, ist übel. So schrille Töne fallen letztlich auf ihre Verursacher zurück.

Und noch eins: Olbertz hat vor der Findungskommission der Humboldt-Universität nicht verschwiegen, dass sich in seinen wissenschaftlichen Schriften auch Passagen finden, die er heute nicht mehr so formulieren würde. Das "sozialistische Kauderwelsch", so hat er eingeräumt, sei ihm heute peinlich. Das wird vielen ehemaligen DDR-Bürgern ganz genauso gehen.