Amman - Auge um Auge, Zahn um Zahn: Jordanien hat zwei zum Tode verurteilte Terroristen hingerichtet, darunter die Irakerin Sadschida al-Rischawi. Damit nimmt das Königreich Rache für den brutalen Mord der IS-Terrormiliz an dem Piloten Muas al-Kasasba, der in einem vom IS veröffentlichten Video bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum reagiert Jordanien mit dieser Härte?

Jordaniens Beteiligung an den internationalen Luftschlägen gegen den IS hat im Land scharfe Kritik ausgelöst. Die Extremisten wollten den Piloten nutzen, um Jordaniens König Abdullah unter Druck zu setzen. Das funktionierte, solange ein Austausch der Geisel gegen al-Rischawi möglich schien. Der brutale Mord an dem 26-Jährigen habe jedoch eine Gegenreaktion ausgelöst, sagt Anja Wehler-Schöck, Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Amman. "Die Jordanier fordern jetzt ein harsches Vorgehen gegen den IS, die Bevölkerung ist auf Rache gesonnen." Abdullah gehe gestärkt aus der Krise hervor.

Welche Rolle spielt das Land im Kampf mit dem IS?

Jordanien ist ein enger Verbündeter der USA. Das Königreich gehört zu den fünf arabischen Staaten, die sich an den von den USA geführten Luftschlägen gegen den IS in Syrien beteiligen. Für Jordanien stellt der IS eine unmittelbare Gefahr dar, schließlich kontrollieren die Extremisten im Nachbarland Irak das Grenzgebiet. Die USA wollen im Kampf gegen den IS ihre finanzielle Hilfe für Jordanien aufstocken.

Warum hat der IS den Piloten auf so brutale Weise getötet?

Perfekt inszenierte Videos mit brutalen Morden an Gefangenen sind ein fester Teil der psychologischen Kriegsführung des IS. Die Extremisten wollen ihren Gegnern Angst einjagen und der Welt zeigen, dass sie stark und zu allem entschlossen sind. Das Video richtet sich aber auch an IS-Anhänger: Gerade junge Männer fühlen sich immer wieder von der vermeintlichen Stärke und der Gewalt des IS angezogen. Die Videos sichern dem IS zudem weltweit Aufmerksamkeit.

Der jordanische Pilot soll schon vor vier Wochen getötet worden sein. Warum hat der IS das Video erst jetzt veröffentlicht?

Der IS will zwar nach außen Stärke demonstrieren - tatsächlich aber ist das Video ein Zeichen der Schwäche. Die Terrormiliz will mit Propaganda ihre Niederlagen in Syrien und im Irak kompensieren. Vor einer knappen Wochen hatten die Kurden die über Monate umkämpfte nordsyrische Stadt Kobane von IS-Extremisten befreit. Im Norden des Iraks scheiterte ein IS-Großangriff auf die ölreiche Stadt Kirkuk.

Wie sehr steht der IS unter Druck?

Fehlende Siege sind für die Extremisten ein Problem, weil sie bei den Feldzügen Munition und Waffen für ihren Krieg erobern. Der Angriff auf Kirkuk ist ein Indiz dafür, dass die Miliz Geld braucht. Stadt und Umland gehören zu den ölreichsten Gebieten im Irak. Der IS wollte offenbar die Ölquellen unter seine Kontrolle bringen, um den Rohstoff zu verkaufen. Öleinnahmen sind die wichtigste Geldquelle des IS.

Droht die Gewalt weiter zu eskalieren?

Diese Gefahr besteht. Um immer wieder Aufmerksamkeit zu finden, muss der IS seine Gewalt steigern. Trotz der jüngsten Niederlagen ist die Terrormiliz stark - sie kontrolliert in Syrien und im Irak noch immer große Gebiete. Es wird Jahre dauern, um die Extremisten zu besiegen.

Warum findet der IS unter sunnitischen Muslimen Unterstützung?

Einer der wichtigsten Gründe dafür ist das Versagen der Politik in Bagdad und Damaskus. Die von Schiiten dominierte Regierung des Iraks hat über Jahre die Sunniten diskriminiert. Viele sehen im IS das kleinere Übel. Syriens Machthaber Baschar al-Assad tötet seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast vier Jahren rücksichtlos die eigene Bevölkerung. Das hat viele Sunniten in die Arme des IS getrieben.