Die Kreativwirtschaft ist in Magdeburg eine Wachstumsbranche. Über 300 Unternehmen und Freiberufler soll es nach einer aktuellen Erhebung in der Landeshauptstadt inzwischen geben.
Magdeburg l Der in Magdeburg ansässige Verein "Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt" (KWSA) erarbeitet derzeit im Auftrag von Magdeburgs Wirtschaftsdezernat eine Übersicht über die Branche in der Stadt.
Bislang gebe es dazu noch sehr wenig belastbare Angaben, sagt der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Mike Berghausen. "Aber die Branche entwickelt sich sehr dynamisch. Wir haben inzwischen über 300 Unternehmen inklusive Freiberufler erfasst, die in Magdeburg ihren Firmensitz haben." Dazu gehören zum Beispiel Kommunikationsdesigner, Eventmanager, mehrere Labels der Musikbranche, die eigene CDs produzieren. Es gibt in Magdeburg auch Tonstudios, Verlage, Fotografen, Filmstudios der Werbebranche, Tanzstudios, Druckereien, Raumgestalter und vieles mehr.
Berghausen - selbst Inhaber eines Filmstudios - sieht mehrere Gründe für die positive Entwicklung: "Der Hochschulstandort ist wichtig. Universität und Hochschule bringen ständig viele gute Leute hervor." Der Anteil an Freiberuflern sei traditionell in der Kreativbranche sehr hoch. "Deshalb drängen stetig neue junge Firmen auf den Markt." Der Standort Magdeburg sei dabei alles andere als hinderlich. Denn ihre Aufträge generieren viele Unternehmen auch überregional und zuweilen sogar im Ausland. "Aber auch in Sachsen-Anhalt gibt es für Kreative inzwischen mehr Aufträge als noch vor einigen Jahren", erzählt Berghausen.
Und der freiberufliche Software-Designer, Hagen Aedtner, ebenfalls im Verein KMSA engagiert, ergänzt: "Es gibt in vielen mittelständischen Unternehmen, die nach der Wende in den 1990er Jahren gegründet wurden, inzwischen eine zweite Generation, die das Ruder übernommen hat. Und die entwickeln ein ganz anderes Bewusstsein zur Notwendigkeit von Unternehmens-Kommunikation." Das betreffe nicht nur die Werbung im engeren Sinn, sondern die gesamte Darstellung von Unternehmen und Produkten.
Professionelle Werbefilme für Betriebe
Professionelle Werbefilme wurden in den vergangenen Monaten zum Beispiel von dem Magdeburger Regisseur Michael Garau ("COGGY") für den Nutzfahrzeuge-Hersteller "Ambulanz Mobile" aus Schönebeck gedreht. Das Unternehmen des KWSA-Vorsitzenden Berghausen ("Improma") hat Werbefilme für die Stendaler Landbäckerei und mit Garau gemeinsam einen Film über den Landtag produziert. Der 30-minütige Bildungsfilm soll unter anderem im Sozialkundeunterricht eingesetzt werden.
Beim Auftragsvolumen für die "Kreativen" handele es sich keineswegs nur um "kleine Fische". Es gebe bei den zumeist jungen Unternehmen eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um größere Aufträge übernehmen zu können. Als Beispiel nennt Hagen Aedtner die "Rotehorn-Gruppe" aus Magdeburg, ein Unternehmensbündnis aus sechs Firmen (Industrie-Design, 3-D-Visualisierung, Webentwicklung), deren Einzelfirmen schon für BASF, Siemens und Volkswagen gearbeitet haben. Die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) wickelt derzeit das Gros ihrer Aufträge mit der Rotehorn-Gruppe ab.
Den Verein KWSA gibt es erst seit 2010. Ihm gehören bislang 35 Unternehmen an - auch aus Salzwedel, Weißenfels und Wittenberg. KWSA-Vorsitzender Berghausen findet: "Wir halten nichts von einer Gegnerschaft zwischen Halle und Magdeburg. Im Gegenteil, Unternehmen aus beiden Städten arbeiten nicht selten eng zusammen." Der in Halle ansässige Computer-Hersteller Dell unterstützt den Verein. Mit dem Designhaus Halle gibt es eine Zusammenarbeit.
Das Wirtschaftsministerium ordnet unter dem Begriff "Kreativwirtschaft" Unternehmen ein, die "überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung von kulturellen, kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen". Nach Zahlen aus dem Jahr 2007 soll es vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt 2790 Unternehmen mit 12500 Beschäftigten gegeben haben. Berghausen: "Inzwischen dürften es über 15000 Beschäftigte sein."
2011 erschien eine vom Wirtschaftsministerium bei der Universität Göttingen in Auftrag gegebene Studie speziell zu Handwerksbetrieben der Kreativ-Kultur-Szene in Sachsen-Anhalt. Auch sie belegt die Vielfalt der Branche. So gibt es zum Beispiel im Bereich der Handwerkskammer Magdeburg 43 Gold- und Silberschmiede, 36 Sattler und Feintäschner, 16 Keramiker und vier Zupfinstrumentenmacher.
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