Berlin/Magdeburg (dpa/ts). Der Dioxin-Skandal hat nach Eiern und Geflügel erstmals auch das Schweinefleisch erreicht. Auf einem Hof in Niedersachsen wurde bei einer Probeschlachtung ein um die Hälfte erhöhter Dioxin-Grenzwert festgestellt. In den vergangenen Tagen waren nur in Proben von Eiern und Legehennenfleisch erhöhte Dioxin-Werte gemessen worden. Proben bei Hähnchen, Putenfleisch und Kuhmilch wiesen zunächst keine Überschreitungen von Grenzwerten auf.

Auf dem niedersächsischen Hof mit Dioxin im Schweinefleisch sollen nun 140 Tiere getötet werden. Insgesamt stehen dort 536 Tiere im Stall. Das Dioxin soll ins Futterfett gekommen sein. Das Unternehmen arbeitet als Spedition für Fette. Die Futterfettproduktion wurde dort wohl illegal betrieben. Die Firma ist ein Partnerunternehmen von Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein, das die dioxinbelasteten Futterfette vertrieben hatte und nun im Fokus der Ermittlungen steht.

Bund und Länder wollen nach dem Dioxin-Alarm eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten, die EU erwägt schärfere Regeln für Futterproduktion. Bisher informieren die Bundesländer meist nur über verdächtige Produkte in ihrer Region. Die neue Internetseite mit Informationen aller bundesweit zuständigen Behörden soll in den nächsten Wochen starten. Die Verbraucher kaufen unterdessen aus Sorge um ihre Gesundheit die Regale mit Bio-Eiern leer.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gerät zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik aus der Opposition. SPD und Grüne hatten ihr vorgeworfen, zu unkonkrete und ungenügende Maßnahmen vorzuschlagen. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte eine Regierungserklärung vor dem Bundestag. Ihre vorgeschlagenen Konsequenzen seien sehr konkret und alles andere als vage, wehrte sich Aigner.

Der deutsche Lebensmittelchemiker und Fachbuchautor Udo Pollmer hat vor Panikmache gewarnt. Dioxine oder andere giftige Substanzen wie Quecksilber kämen überall auf der Erde vor, sagte Pollmer im Gespräch mit Welt Online. Ob von ihnen ein Risiko ausgehe, hänge nicht davon ab, dass es diese Stoffe gebe, sondern in welcher Konzentration sie uns begegneten. Ähnliche Werte wie in der Geflügelproduktion habe es gerade bei Rindern aus der Freilandhaltung gegeben, meinte Pollmer und fügte hinzu: "Wir finden das auch bei diversen Obst- und Gemüsesorten – überall Schadstoffe. Sie können mir mein Frühstücksei ruhig gönnen." Meinung