Magdeburg. Die allgemeine wirtschaftliche Erholung hat noch nicht auf das Transport- und Verkehrsgewerbe in Sachsen-Anhalt durchgeschlagen. "Der Aufschwung ist bis jetzt an uns vorbeigegangen", sagten der Präsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes, Gerhard Bertram, und Verbandsgeschäftsführer Peter Ziechner im Volksstimme-Gespräch.

Das Transport- und Verkehrsgewerbe in Sachsen-Anhalt wird nach Einschätzung des zuständigen Landesverbandes etwa zwei Jahre brauchen, um den krisenbedingten Einbruch bei den Transportleistungen wettmachen zu können. Hatten die Speditionen und Fuhrunternehmen im Land in der Krise nach Verbandsangaben etwa elf Prozent Transportleistung verloren, hätten sie gerade einmal etwa die Hälfte aufgeholt. Von dem Zuwachs gingen nur 40 Prozent an deutsche Unternehmen, der überwiegende Teil, nämlich 60 Prozent, an ausländische Fuhrbetriebe. "Der Aufschwung ist bis jetzt an uns vorbeigegangen", zogen der Präsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes, Gerhard Bertram, und Verbandsgeschäftsführer Peter Ziechner im Volksstimme-Gespräch eine Zwischenbilanz. Der Verband vertritt rund 200 Unternehmen mit zusammen 3600 Beschäftigten. Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt 1285 Unternehmen im gewerblichen Güterverkehr sowie 76 Umzugsfirmen. In der Branche arbeiten rund 10100 Frauen und Männer. Hauptkunden sind Automobilhersteller und -zulieferer sowie die Lebensmittelindustrie.

Bertram und Ziechner beklagten eine nach wie vor vorhandene "Geiz-ist-Geil-Mentalität". Um kostendeckend fahren zu können, bräuchten die Transportunternehmen 1,15 Euro bis 1,20 Euro pro gefahrenen Kilometer. Dieser Preis aber werde von vielen Verladern nicht gezahlt.

In den kommenden Monaten gehe es darum, die Transportpreise zu stabilisieren, setzten Bertram und Ziechner eine Priorität. Ein Unsicherheitsfaktor auf der Kostenseite bleibe der Dieselpreis. Das derzeitige Preisniveau deute nicht auf eine Entspannung hin. Zu der geplanten Einrichtung von Umweltzonen in Magdeburg und Halle hat der Interessenverband eine pragmatische Haltung. "Wir kommen nicht drumrum", sagte Bertram. Nun gehe es darum, die Formalitäten bei der Beantragung von Fahrgenehmigungen in den Innenstadtbereichen zu vereinfachen. Zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern im Land wolle man dazu ein Pilotprojekt starten, kündigte Bertram an. Ziel sei es, dass beispielsweise in Magdeburg erteilte Genehmigungen automatisch auch in Halle oder umgekehrt gelten. So erspare man sich einen Antragsweg.

Auch will sich der Verband verstärkt der Imagepflege widmen. In vielen Köpfen existiere immer noch das Feindbild Lkw, der die Straßen verstopfe und den Autoverkehr behindere, sagte Ziechner. "Aber unsere Fahrer sind diejenigen, die uns täglich und pünktlich Brot und Getränke bringen", warb er für mehr Verständnis für die fahrende Zunft.

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