Der Warenkorb

Der Verbraucherpreisindex misst die Preisentwicklung bei Waren und Dienstleistungen.

Grundlage für die Berechnung ist ein Warenkorb aus rund 600 Güterarten. In Deutschland werden jeden Monat von rund 600 Beobachtern in 95 Regionen etwa 300.000 Einzelpreise der gleichen Produkte in denselben Geschäften ermittelt, bei einheitlichen Preisen etwa für Bücher geschieht dies im Internet. Wird ein Produkt seltener nachgefragt, wird es im Warenkorb durch ein anderes ersetzt.

Den größten Anteil im Warenkorb macht das Wohnen (Mieten, Strom, Gas) mit fast 32 Prozent aus. Gut 10 Prozent entfallen auf Lebensmittel. Die Ausgaben für Verkehr schlagen mit 13,5 Prozent zu Buche, diejenigen für Freizeit, Unterhaltung und Kultur mit 11,5 Prozent. Die Inflationsrate ist ein Indikator für die Geldwertstabilität. (dpa)

Wiesbaden (dpa). Fallende Preise für Kraftstoffe und Heizöl haben die Inflationsrate in Deutschland im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2010 gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen 2013 um 1,5 Prozent nach 2,0 Prozent im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag nach ersten Berechnungen in Wiesbaden mitteilte. Die Jahresteuerung liegt damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die die Preisstabilität bei einer Rate knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht.

Im Dezember zog die Inflation allerdings leicht an. Vor allem Nahrungsmittel waren mit plus 3,8 Prozent erneut deutlich teurer als im Vorjahr. Erstmals seit Monaten stiegen auch die Energiepreise wieder geringfügig um 1,1 Prozent - im Gesamtjahr 2013 dürften sie aber bundesweit gepurzelt sein.

Das Statistische Bundesamt gibt die Details erst am 16. Januar bekannt. Das nordrhein-westfälische Landesamt in Düsseldorf meldete am Montag jedoch etwa ein Minus bei den Kraftstoffpreisen von 3,3 Prozent - damit wurde Sprit im Jahresdurchschnitt erstmals seit 2009 wieder günstiger. Der ADAC trat bereits auf die Euphoriebremse: "Trotz der für die Autofahrer erfreulichen Entwicklung war 2013 das zweitteuerste Tankjahr aller Zeiten", schränkte der Automobilclub ein.

Heizöl verbilligte sich nach den Angaben aus Düsseldorf im Jahresdurchschnitt sogar um 5,9 Prozent. Dagegen zogen die Strompreise aufgrund der im Zuge der Energiewende erhöhten Umlagen überdurchschnittlich um 11,2 Prozent an.

Bundesweit stiegen die Verbraucherpreise im Dezember im Vergleich zum Vormonat November um 0,4 Prozent. Auf Jahressicht legten sie um 1,4 Prozent zu - nach 1,3 Prozent im November und dem Jahrestief von 1,2 Prozent im Oktober.

"Wir gehen davon aus, dass sich der moderate Aufwärtstrend bei den Preisen fortsetzt", sagte der Deutschlandexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Simon Junker. Auch Commerzbank-Volkswirt Johannes Werner prophezeite: "Die gute Konjunktur sowie stärker steigende Löhne sprechen dafür, dass der Preisauftrieb in den kommenden Quartalen langsam anzieht." Außerdem werde die Energiewende zu weiterhin steigenden Strompreisen führen.

Allerdings werde die Jahresrate frühestens Ende 2014 wieder die Zwei-Prozent-Marke erreichen, schätzte Junker - auch weil die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb derzeit nur schwerlich Preiserhöhungen durchsetzen könnten.

Während die Energiepreise 2013 sanken und die Verbraucher vom Ende der Praxisgebühr profitierten, mussten sie bei Lebensmitteln teils herbe Preissteigerungen hinnehmen. Zunächst behinderte der lange und kalte Winter die Ernten, dann die Flut in Süd- und Ostdeutschland.

Zwar müssen die Verbraucher in Deutschland nach Einschätzung des Bauernverbands auch 2014 mit steigenden Lebensmittelpreisen rechnen. Gravierende Sprünge seien aber nicht zu befürchten, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken den "Ruhr Nachrichten": "Die Lebensmittelpreise werden moderat steigen, jedoch nicht über der allgemeinen Inflationsrate." Diese wird nach einer Prognose der Commerzbank im Durchschnitt 2014 auf etwa 1,7 Prozent anziehen.

Keine rosigen Zeiten für Sparer

Auch wenn der Preisauftrieb in Deutschland so mickrig ist wie lange nicht und die Europäische Zentralbank (EZB) aller Voraussicht nach an ihrer Nullzinspolitik festhalten wird, werden die Sparer damit immer mehr Geld verlieren.

Seit Monaten warnen Experten vor der schleichenden Enteignung, weil die Zinsen auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto unter der Inflation liegen. 2014 dürfte die Schere zwischen Habenzins und Inflation weiter auseinandergehen, warnt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Die Inflation bewege sich in den kommenden Jahren allmählich in Richtung zwei Prozent, während die Zinsen auf absehbare Zeit minimal bleiben: "Für alle zinsabhängigen Sparer sind die Aussichten sehr mager. Die Verluste werden sich ausweiten."

Dabei warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bereits heute: "Die Niedrigzinsen helfen der Konjunktur nicht, treiben aber die Vermögenspreisinflation." Krämer empfahl, den Leitzins wieder auf 0,5 Prozent anzuheben. Denn die faktische Nullzinspolitik verführe Anleger auf ihrer verzweifelten Suche nach Rendite, zu hohe Risiken einzugehen. Zugleich geben die Menschen ihr Geld derzeit lieber aus, als es auf die hohe Kante zu legen. Das ist gut für die Konjunktur, kann aber ein gefährliches Loch in die private Altersvorsorge reißen.

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