Brüssel/Berlin (dpa) l EU-Justizkommissarin Viviane Reding sieht in den deutschen Plänen für eine gesetzliche Frauenquote einen guten Anfang. "Wenn das, was jetzt im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, Realität wird, würde Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Italien zu den Vorreitern bei der Frauenquote werden", teilte Reding auf dpa-Anfrage mit. "Das wäre ein starkes Signal für Europa und für die Frauen."

Mit Blick auf positive Beispiele in anderen Ländern etwa in Skandinavien sagte Reding: "Es geht hier vor allem um unterschiedliche Kulturen." In diesen Ländern sei eine staatliche Kinderbetreuung mit schulischen Ganztagsangeboten weit verbreitet. Zugleich werde auch die Beteiligung der Eltern in der Kindererziehung gefördert, insbesondere auch der Väter. Damit tue man sich in Deutschland noch relativ schwer.

Laut dem schwarz-roten Koalitionsvertrag ist geplant, dass in den Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein sollen. Darüber hinaus müssen große Unternehmen ab 2015 eigene verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und den obersten Management-Ebenen definieren und veröffentlichen.

Bei Deutschlands Top-Konzernen sucht man bislang vergeblich eine Vorstandschefin. Dennoch sehen Forscher einen Silberstreif am Horizont.

In der Privatwirtschaft hat sich beim Anteil von Frauen in den Chefetagen in den vergangenen Jahren insgesamt wenig getan, wie die Experten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer jüngst veröffentlichten Studie herausfanden. Der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit zufolge lag der Frauenanteil 2012 in der ersten Führungsebene der Betriebe - damit ist meist der Vorstand gemeint - bei 26 Prozent, nach 25 Prozent vier Jahre zuvor.

Auffallend sei aber ein "enormer Anstieg im Westen zwischen 2008 und 2012 auf der zweiten Führungsebene", sagt die IAB-Forscherin Susanne Kohaut, die gemeinsam mit einer Kollegin für die Untersuchung verantwortlich zeichnet.

In Ostdeutschland haben Frauen nach Erkenntnissen von IAB-Forscherin Kohaut grundsätzlich häufiger Führungsverantwortung als im Westen - eine Ausnahme bilden die Großbetriebe.