Pforzheim (dpa) l Wie fühlt es sich an, jeden Tag auf das Ende des eigenen Jobs hinzuarbeiten? Christel Hoffmann kennt dieses Gefühl nur zu gut. Sie war einst Chefin beim Gesamtbetriebsrat von Schlecker. Nun macht sie beim Drogerieimperium die Lichter aus.

Wenn Christel Hoffmann ins Büro geht, arbeitet sie auf ihre eigene Entlassung hin. Jeden Morgen um halb neun setzt sie sich an den Schreibtisch, wühlt sich durch Akten und führt unzählige Telefonate. Für Christel Hoffmann gibt es noch genug zu tun. Und doch liegen ihre Unterlagen längst beim Arbeitsamt. Sie war Gesamtbetriebsratschefin bei dem Drogerieimperium Schlecker, das am 23. Januar 2012 Insolvenz angemeldet hatte. Nun arbeitet sie für den Insolvenzverwalter daran, dass dort endgültig die Lichter ausgehen können.

"Ich bin diejenige, die übrig geblieben ist", sagt die 60-Jährige in ihrem Büro in Pforzheim. Rund 25.000 Menschen hatten nach der Insolvenz bundesweit ihren Job verloren. "Ich vermisse meine Kollegen unheimlich", sagt Hoffmann. Die letzten Kolleginnen aus dem ehemals 55-köpfigen Gesamtbetriebsrat mussten im vergangenen Herbst gehen.

Außer Hoffmann gibt es nur noch 36 Mitarbeiter in der Schlecker-Zentrale in Ehingen, die sich um letzte Verwaltungsaufgaben kümmern.

Nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wird die untergegangene Drogeriekette Ende 2014 größtenteils abgewickelt sein. "Die wesentlichen Tätigkeiten werden wir im Laufe dieses Jahres erledigt haben", so Gleiwitz. Im Vordergrund stünden dabei die ehemaligen Filialen, zuletzt 6000 allein in Deutschland. "Hier sind noch Abrechnungstätigkeiten beispielsweise mit Energieversorgern, Gemeinden sowie Industrie- und Handelskammern durchzuführen", sagt Geiwitz. Auch die Zentrale in Ehingen und sechs Lager stehen noch zum Verkauf.

Staatsanwaltschaft ermittelt noch

Für Christel Hoffmann soll Ende März Schluss sein. Bis dahin bannt sie das einstige Drogerieimperium in Tabellen. Legt Listen von früheren Betriebsräten an, archiviert die Rechtsstreitigkeiten. Ist das jetzt überhaupt noch wichtig? Hoffmann sieht das pragmatisch. Es müsse alles seine Ordnung haben, sagt sie.

Vor allem leistet sie seelischen und praktischen Beistand: Wenn bei ihr das Telefon klingelt, ist meistens eine frühere Kollegin dran, die Hilfe braucht bei Problemen mit dem Arbeitsamt oder nicht weiß, welche Sozialleistungen ihr zustehen.

"Das sind auch Menschen, die ich noch nie im Leben gesehen habe", sagt Hoffmann. Die Bundesagentur für Arbeit hat vor gut einem Jahr aufgehört, den Werdegang der arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiter zu verfolgen. Nach den letzten Zahlen vom vergangenen März suchten von zunächst 23476 arbeitslos gemeldeten Menschen noch 9127 einen Job.

Überhaupt wurde es zuletzt ruhig um Schlecker: Die Filialen sind längst geschlossen, der Versuch eines österreichischen Investors, einzelne Läden wiederzubeleben, scheiterte kläglich - und im vergangenen Jahr zahlte die Familie von Firmengründer Anton Schlecker die letzten Millionen an den Insolvenzverwalter.

Zu Ende ist die Geschichte damit aber keineswegs - und das nicht nur weil ein Produzent das Schicksal einzelner Frauen in einer Schleckerfiliale, die geschlossen werden soll, als TV-Komödie verfilmen will. Einholen könnten die Ereignisse vor allem den Firmengründer selbst: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt derzeit noch gegen Anton Schlecker. Es geht dabei um den Verdacht auf Untreue und Insolvenzverschleppung. Sollte es zur Anklage kommen, hat Christel Hoffmann ihr Büro womöglich längst dichtgemacht. Was danach mit ihr passiert, weiß sie nicht. Eines hat sie die Schlecker-Pleite aber gelehrt: "Unabhängig wie gut oder wie schlecht", sagt Hoffmann. "Es geht immer weiter."