Nürnberg (dpa) l Längst gibt es Bio-Lebensmittel in jedem Supermarkt, auch Discounter und Drogeriemärkte kommen nicht mehr ohne Produkte mit einem Öko-Siegel aus. Der Markt hat Experten zufolge auch im vergangenen Jahr weiter zugelegt - für die Branche ein Grund zur Freude. Doch zugleich verschärft sich dadurch das Problem, dass die heimischen Bauern mit der Produktion nicht mehr hinterherkommen.

Deutschland ist nach Angaben des Forschungsinstituts für biologischen Landbau nach den USA der zweitgrößte Bio-Markt der Welt. 2012 wurden hierzulande erstmals mehr als sieben Milliarden Euro erlöst. Auch 2013 ging es aufwärts: "Die Marktentwicklung ist weiter eine positive, das ist erfreulich", bestätigt der Geschäftsführer des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Stefan Zwoll. "

Aber das Flächenwachstum kommt dem nicht nach." So erhöhte sich der Anteil der biologisch bewirtschafteten Felder 2012 nur um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent der deutschen Agrarfläche.


Durch Nachfrage steigen die Verkaufspreise

Ein Grund dafür ist die finanziell geförderte Nutzung von Biomasse für Biogasanlagen. Der Anbau von Mais zur Stromerzeugung rentiere sich dadurch viel mehr als der von Getreide oder Gemüse - erst recht, wenn es nach ökologischen Kriterien angebaut werde, klagt Zwoll.

Durch den Boom der Biomasse seien auch die Pacht- und Verkaufspreise für Äcker gestiegen: "Wir kämpfen um die Fläche, das sehen wir in allen Regionen Deutschlands." Die Folge: Ein stetig größer werdender Anteil der Bio-Lebensmittel muss importiert werden. Zumal das Angebot in den Bio-Läden immer vielfältiger wird: Von Ingwer und Mangojoghurt über Pflaumenketchup bis hin zu Frühlingsrollen und Edel-Schokolade reicht die Palette. Vieles davon können die deutschen Bauern schon rein klimatisch bedingt nicht anbauen.

Bioproduktion soll effekiver werden

Der Bauernverband sieht trotzdem noch großes Potenzial für den Bio-Anbau und setzt auf die Entwicklung effektiverer Produktionsweisen. "Wir halten es für realistisch, dass zehn Prozent der Landwirte bereit sind, ökologisch zu produzieren", sagt der Öko- Beauftragte des Verbands, Heinrich Graf von Bassewitz. Forschung sei der wichtigste Ansatzpunkt, um Bio weiter nach vorne zu bringen. "Wir fordern einen überproportionalen Anteil von 20 Prozent des Agrarforschungsbudgets in Europa und Deutschland für nachhaltige Produktionsverfahren."

Der Ökolandbau sei eine Chance, Techniken zu entwickeln, die auch für konventionelle Landwirte auf dem Weg zu nachhaltiger Produktion wichtig seien. Wenn mehr Landwirte ökologisch produzierten, könnten auch die Preise für solche Produkte im Supermarkt fallen, so der Verbandsbeauftragte.