Konzerne geben ihre Preise zurück

München (dpa/sj) l Der ADAC kündigte am Montag an, die Auszeichnung "Gelber Engel" werde es nicht länger geben. Namhafte Autokonzerne wie Daimler, BMW, VW und Porsche erklärten am Montag, ihre vom ADAC verliehenen Preise der vergangenen Jahre zurückzugeben. Durch die nun nachgewiesenen Manipulationen bei der Stimmenauswertung hat der "Gelbe Engel" des ADAC seine Glaubwürdigkeit verloren, hieß es bei BMW. Der Sportwagenbauer Porsche hatte den ADAC anfangs noch gegen die Kritik verteidigt, sich aber am Montag zur Rückgabe des Preises entschlossen. Der Autohersteller war 2011 für den Porsche 911 in der Kategorie "Qualität" ausgezeichnet worden.

Offenbar hat es auch Manipulationen beim Test von Reifen gegeben. Das Verbrauchermagazin "Servicezeit" des WDR berichtete am Montag, dass Reifen gezielt für die ADAC-Tests hergestellt worden sein sollen. Das Magazin zitierte einen ehemaligen Entwicklungsingenieur eines niederländischen Produzenten, nach dessen Angaben in den späten 1990er Jahren Testreifen in geringer Stückzahl mit hochwertigen Materialien ausschließlich an den ADAC geliefert wurden. Frei verkäufliche Reifen dieses Typs seien mit wesentlich minderwertigeren Materialien gefertigt worden.


Tatsächliches und gefälschtes Resultat

Bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" im Rahmen des ADAC-Autopreises "Gelber Engel" war neben geschönten Teilnehmerzahlen auch die Rangfolge gefälscht. Der Prüfbericht der Unternehmensberatung Deloitte zeigt, wie das Ranking eigentlich hätte aussehen müssen:

Tatsächliches Resultat:


  1. VW Golf (3271 Stimmen)

  2. BMW 3er-Reihe (1703 Stimmen)

  3. Audi A3 (1664 Stimmen)

  4. Mercedes A-Klasse (1320 Stimmen)

  5. Skoda Octavia (1184 Stimmen)

Gefälschtes Resultat:


  1. VW Golf (3409 Stimmen)

  2. Audi A3 (1765 Stimmen)

  3. Mercedes A-Klasse (1418 Stimmen)

  4. Skoda Octavia (1237 Stimmen)

  5. VW Tiguan (1114 Stimmen) nachträglich in BMW 5er-Reihe verändert.

(dpa)

München (dpa) l Der ADAC probiert nach wochenlangen Querelen einen personellen Befreiungsschlag - doch es ist ein Schlag ins Kontor. Statt eines kraftvollen Neuanfangs gibt es Streit und Chaos. Am frühen Montagnachmittag lässt ADAC-Präsident Peter Meyer seinen Rücktritt erklären. Doch die Mitteilung kommt von seinem eigenen Regionalclub Nordrhein, nicht aus der Zentrale in München. Dort war kurz zuvor die Entscheidung über Meyers Zukunft gefallen.

Die Granden des Clubs hatten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Meyer eingeleitet. Der Präsident sollte vom Hof gejagt werden. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Herren sicherlich, dass die Berichte zutrafen, wonach auch bei der Rangfolge des "Gelben Engels" manipuliert worden war.

Peter Meyer übernimmt die Verantwortung

"Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise des ADAC und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung hat das Präsidium des ADAC am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Peter Meyer beschlossen", heißt es in der Mitteilung. ADAC-Vize August Markl erklärt: "In den vergangenen Wochen ist jedem in der Führungsspitze des ADAC bewusst geworden, dass die Struktur des ADAC den mit der Organisationsgröße verbundenen Anforderungen nicht mehr gerecht wird." Meyer, heißt es ausdrücklich, übernehme nun die politische Verantwortung für das wochenlange Chaos beim ADAC.

Bei Meyer liest sich das ganz anders. "Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben." Davon, dass er Verantwortung übernehmen wolle, findet sich kein Wort in der Erklärung. Im Gegenteil: "Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden", schreibt der Ex-Präsident.

Los ist die Vereinsführung ihn ohnehin nicht, denn Meyer bleibt vorerst Chef seines Regionalclubs Nordrhein, sagt eine Sprecherin. Immerhin Klarheit gibt es an einem weiteren Punkt: Am Nachmittag veröffentlichte der ADAC die ersten Ergebnisse einer Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte über die Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel".

Ranglisten wurden manipuliert

Nun steht fest, was seit Tagen berichtet und von vielen befürchtet wurde: Nicht nur die Teilnehmerzahlen wurden geschönt, auch die Rangfolge ist verfälscht worden. Der erste Platz für den VW Golf stimmte der Überprüfung zufolge zwar. Aber der zweite Platz hätte dem BMW 3er gebührt, der jedoch komplett aus den Top Five herausfiel. Auf Platz zwei war stattdessen der Audi A 3 genannt, der eigentlich auf den dritten Platz gehört hätte.

"Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte", sagt ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair und bittet Mitglieder, Mitarbeiter und die Autoindustrie um Entschuldigung. Noch undeutlich ist, ob auch in den Vorjahren gefälscht wurde. Anhaltspunkte gibt es dafür aber einige. Die Schuld sieht der ADAC weiter bei Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter, der schon seinen Posten geräumt hatte.

Der Imageschaden für den zweitgrößten Autoclub der Welt mit seinen fast 19 Millionen Mitgliedern ist bereits enorm. Und die Umstände von Meyers Abgang dürfte den Lack nicht eben aufpolieren. Dabei gibt es neben dem "Gelben Engel" noch ganz andere Probleme. Das Amtsgericht München prüft den Vereinsstatus des ADAC, der Club steht als milliardenschwerer Konzern in der Kritik. Von Provisionen für Pannenhelfer bei der Vermittlung von Autobatterien bis zu angeblich fragwürdigen Testmethoden reichen die Vorwürfe, die gegen den Club und seine Führung erhoben wurden. Meinung