Was Reisende beachten müssen
Wer zum Shoppen ins Ausland fährt, sollte sich vorher mit den Regeln des Zolls vertraut machen. Sonst muss der Reisende unter Umständen bei der Heimreise kräftig draufzahlen.
Wer mit dem Auto oder dem Zug aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland zurückkehrt, darf Waren von bis zu 300 Euro dabei haben, erläutert Walid Mimoun, Sprecher der Bundesfinanzdirektion Mitte in Potsdam.
Wer mit dem Flugzeug oder auf einem Schiff einreist, darf Mitbringsel im Wert von höchstens 430 Euro in seinen Koffer packen.
Für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren liegt diese Grenze mit allen Verkehrsmitteln bei 175 Euro.
Für alles, was darüber liegt, muss am Zoll nachgezahlt werden: Je nach Ware, Preis und Herkunftsland zwischen 15 und 19 Prozent.
In EU-Ländern sei der Einkauf kein Problem, sagt Mimoun. "Es gibt keinen Unterschied, ob Sie Designerkleidung in Stuttgart oder in Mailand kaufen", erläutert Mimoun dem Verbraucher.
Waren für den eigenen Bedarf dürfen aus Ländern der EU - bis auf Ausnahmen wie beispielsweise Zigaretten oder Alkohol - zollfrei mit nach Deutschland gebracht werden. (dpa)

Berlin (dpa) l Während die Deutschen über Preisanstiege klagen, kommen ausländische Kunden zum Shoppen sogar über die Grenze. Auch Steuersenkungen in den Nachbarländern können die Kunden bislang nicht aufhalten.

Obwohl die Preise für Lebensmittel in Deutschland im vergangenen Jahr kräftig geklettert sind, haben die Deutschen eigentlich keinen Grund zu nörgeln: Bei unseren Nachbarn ist Einkaufen nämlich noch teurer. Viele Dänen, Schweizer und Polen gehen deshalb noch lieber in Deutschland shoppen als die Deutschen selbst - und bescheren den Grenzregionen regen Handel.

Die Region um Flensburg ist für Dänen dank der niedrigen Preise ein Einkaufsparadies. Nach einer Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg von 2012 setzt der Grenzhandel pro Jahr rund 800 Millionen Euro um. In den Einkaufsparks im Norden machen Käufe von Skandinaviern demnach bis zu 25 Prozent des Umsatzes aus.

Einkaufstourismus ist dänischer Regierung Dorn im Auge

Klassische Grenzmärkte haben sich mit ihrem Sortiment auf die Dänen eingestellt. Sie bieten vor allem alkoholische Getränke und Softdrinks sowie Süßwaren, die in Dänemark wegen höherer Besteuerung teurer sind. Der dänischen Regierung ist der Einkaufstourismus ein Dorn im Auge. Im Sommer letzten Jahres sind Bier und Limonaden billiger geworden, um Masseneinkäufe in Deutschland zu bremsen. Die Dänen zahlen für Bier jetzt 15 Prozent weniger Steuern als noch vor einem Jahr.

Allerdings hat der dänische Konzern Fleggaard, der auf beiden Seiten der Grenze Supermärkte betreibt, bislang keinen Rückgang der dänischen Kunden in Deutschland festgestellt. "Die Dänen kommen nach wie vor", sagt Geschäftsführer Mike Simonsen. Erik Holm Jensen von der Interessengemeinschaft der Grenzhändler (IGG) in Flensburg erklärt, der Verkauf von Bier sei 2013 gegenüber 2012 stabil geblieben.

In Polen werden die Steuern auf Alkohol indes nicht gesenkt, sondern gehoben, um den Alkoholkonsum zu drosseln. Das macht das Shoppen in Deutschland attraktiv. Auch Milchprodukte, Kontaktlinsen oder Reinigungsmittel sind in Deutschland billiger, wie aus einem Bericht des Statistischen Amtes in Breslau hervorgeht.

Direkt an der Grenze, in Frankfurt an der Oder, kaufen Polen aber vor allem Kleidung, Kosmetik und Technik. "Das sind die drei Hauptbranchen", sagte Christine Minkley vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB).

Die Händler in der Grenzregion bemühen sich, polnische Kunden zu halten, damit sie nicht weiter nach Berlin fahren. Geschäfte würden zum Beispiel mit zweisprachigen Internet-Seiten werben, beschreibt Minkley. Etwa zehn Prozent der Kundschaft in der Region kämen aus Polen.

An der Schweizer Grenze beträgt der Anteil der eidgenössischen Kunden in den deutschen Geschäften im Schnitt sogar 25 bis 35 Prozent, sagt Philipp Frese, Präsident des Einzelhandelsverbandes Südbaden in Freiburg. Tendenz steigend. In einigen Branchen, beispielsweise im Möbelhandel, machten Schweizer bis zu 60 Prozent am Umsatz aus.

Preise in Grenznähe höher als im Landesinneren

Neben den niedrigeren Preisen sind Einkäufe in Deutschland für Schweizer noch aus einem anderen Grund attraktiv: Wer in der Schweiz oder einem anderen Nicht-EU-Land lebt, muss in Deutschland keine Mehrwertsteuer zahlen, wenn er seine Einkäufe ausführt. Sie wird dann vom Kaufpreis abgezogen. Bis zu den üblichen Freigrenzen ist der Einkauf in Deutschland außerdem zollfrei. Stark gefragt sind neben Einrichtungsgegenständen besonders Elektronikprodukte, Drogerieartikel, Lebensmittel und Textilien.

Nachteil für die deutschen Kunden: Die Preise in Grenznähe liegen mitunter höher als im Landesinneren, sagt Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Dies betrifft zum Beispiel den Lebensmittelhandel und die Gastronomie. Einheimische müssen daher oft auf Regionen weiter entfernt von der Grenze ausweichen.