Frankfurt (dpa) l Die "Wirtschaftsweise" und anerkannte Banken-Expertin Claudia Buch soll Stellvertreterin von Bundesbank-Chef Jens Weidmann werden. Sie könnte schon bald vom Kabinett berufen werden. Ein entsprechender "Spiegel"-Bericht wurde am Wochenende jedenfalls nicht dementiert. Damit hätte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegenüber SPD-Chef Sigmar Gabriel durchgesetzt. Der wollte den bisherigen Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel befördern. Auslöser für das jüngste Hickhack ist der Weggang von Sabine Lautenschläger. Die bisherige Bundesbank-Vizepräsidentin wechselte in die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem der bisherige EZB-Direktor Jörg Asmussen SPD-Staatssekretär im Arbeitsministerium wurde.

An der fachlichen Kompetenz von Buch hatten eigentlich auch die Sozialdemokraten nichts auszusetzen. Die 47 Jahre alte Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) und Professorin in Magdeburg hat in der Branche einen exzellenten Ruf. Gerüchte über ihre Berufung zur Bundesbank gab es schon länger. Claudia Buch wollte sich dazu bislang, auch auf Nachfrage der Volksstimme, nicht äußern. Die Wirtschaftsprofessorin habe aber keine politische und keine größere Verwaltungserfahrung, monierten die Sozialdemokraten. Und es müsse ja nicht schon wieder ein externer Vertreter in die Spitze der Notenbank aufrücken.

Womöglich nimmt die SPD Buch auch übel, dass sie zentrale Vorhaben wie den gesetzlichen Mindestlohn oder die Rentenpläne von SPD und Union kritisierte. Nun läuft es auf ein schwarz-rotes Tauschgeschäft hinaus. So muss auch die Spitze beim Bundesrechnungshof neu besetzt werden, ebenso an zwei der obersten Bundesgerichte. Und wenn Buch zur Bundesbank wechselt, müssen die Koalitionäre gleich einen weiteren Job in ihre Posten-Rochade einbeziehen: den bei den "Wirtschaftsweisen".