Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich ein durchwachsenes Bild ab, wenn es um die Gleichstellung von Männern und Frauen geht. Ältere Frauen haben es oft schwer, wieder einen Job zu finden, Alleinerziehende sind immer häufiger arbeitslos.

Magdeburg l Dass vollzeitbeschäftigte Frauen in Sachsen-Anhalt im Schnitt 49 Euro mehr Geld pro Monat verdienen, gehörte zu den wenigen eher guten Nachrichten, die Arbeitsagentur-Chef Kay Senius am Freitag in Halle zum internationalen Frauentag bekanntgab.

Doch bei näherer Betrachtung ist es selbst in der Gruppe der Vollzeitbeschäftigten mit der Gleichstellung zwischen Mann und Frau nicht weit her. "Frauen brauchen häufiger als Männer einen akademischen Abschluss, um zwischen 3000 und 4000 Euro monatlich verdienen zu können", erklärte Senius. Bei gleicher Qualifikation würden Frauen noch immer eher den Kürzeren ziehen. Gleiches gelte auch für Einkommen von mehr als 4000 Euro.

Und auch wenn es in Sachsen-Anhalt mittlerweile gut verdienende Frauen gibt, die mit ihren Gehältern die Statistik freundlicher aussehen lassen, gibt es viele andere, vorwiegend in Dienstleistungsberufen, die weiter mit niedrigen Löhnen zurechtkommen müssen.

Jede fünfte Frau würde von 8,50 Euro Mindestlohn profitieren

So rechnet Senius damit, dass selbst unter den vollzeitbeschäftigten Frauen fast 20 Prozent mehr Geld in der Tasche hätten, wenn der vom Bund geplante Mindestlohn von 8,50 Euro flächendeckend eingeführt würde. Bei den Männern würden lediglich 7,5 Prozent von der Lohnuntergrenze profitieren.

Schlechtergestellt sind Frauen in Sachsen-Anhalt auch weiterhin bei der Arbeitssuche. Zwar hat sich die Zahl arbeitsloser Frauen zwischen 2003 und 2013 von 133169 auf 60742 halbiert. Doch während Männer im Schnitt nur 404 Tage arbeitslos sind, müssen sich Frauen 495 Tage lang um einen neuen Job bemühen. "Jede fünfte Frau ist länger als zwei Jahre arbeitslos und vor allem Frauen, die älter als 60 Jahre sind, haben schlechtere Beschäftigungschancen", so Senius.

In diesem Zusammenhang beklagt Gleichstellungsministerin Angela Kolb (SPD), dass nun das Modell der Bürgerarbeit ausläuft. Viele, vor allem ältere Frauen, hätten sich hierbei engagiert. Die Ministerin will sich deshalb für ein Folgeprogramm und weitere spezielle Angebote stark machen.Arbeitsagenturchef Senius zeigte sich zudem über einen weiteren Trend besorgt. Gegen den allgemeinen Trend am Arbeitsmarkt nimmt die Arbeitslosigkeit unter Alleinerziehenden wieder zu. Innerhalb von drei Jahren stieg ihre Zahl von 11000 auf 13000 Männer und Frauen. Mehr als jede zweite Alleinerziehenden-Familie in Sachsen-Anhalt bezieht HartzIV.

"Wir stoßen bei Alleinerziehenden auch an unsere Grenzen, weil sie häufig in Verkaufs- und Dienstleistungsberufen arbeiten wollen", sagte Senius. Doch das sei oft nicht möglich, weil die Arbeitgeber oft ihre Anwesenheit am Abend und Wochenende verlangten, es aber noch immer nicht ausreichend Kindertagesstätten gibt, die auch in "Randzeiten" geöffnet sind. Angela Kolb erklärte hierzu, die Wirtschaft und Kommunen sollten künftig verstärkt gemeinsam Betreuungsangebote schaffen und finanzieren, damit auch Alleinerziehende die Möglichkeit erhalten, einer Beschäftigung nachzugehen. Meinung