Magdeburg l Das Autohaus Fenrich in Barleben kann sich glücklich schätzen. Denn die freie Kfz-Meisterstelle kann es an den eigenen Nachwuchs vergeben. Christopher Wendler hat nämlich nicht nur Kraftfahrzeugtechnik gelernt, er hat nun auch seinen Meisterbrief in der Tasche - und die Prüfungen in diesem Bereich sogar als Jahrgangsbester abgeschlossen. "In meinem Leben hat schon immer alles mit Autos zu tun gehabt", erzählt er stolz. Nun freut sich der 27-Jährige darauf, eine der zwei Werkstätten des Autohauses zu leiten.

Wendler ist einer von 246 Handwerkern, die am Wochenende in der Landeshauptstadt von der Handwerkskammer ausgezeichnet wurden. Neben Kfz-Technikern wie Wendler erhielten dort auch junge Elektrotechniker, Friseure, Installateure und Heizungsbauer ihre Meisterbriefe. "Der Meisterbrief ist der Ritterschlag im Handwerk", betonte Kammerpräsident Hagen Mauer bei der Feierstunde vor rund 600 Gästen. Als Meister hätten die Nachwuchskräfte das Rüstzeug, sich selbstständig zu machen. Zudem könnten sie ihr Wissen an Auszubildende weitergeben. Mauer nutzte die Feierstunde aber auch, um auf den zunehmenden Fachkräftemangel aufmerksam zu machen. "Viele Betriebe in Sachsen-Anhalt können schon jetzt Aufträge nicht mehr abarbeiten", sagte er. Vor allem Auszubildende würden fehlen. "Dabei sind Firmen ja auch schon bereit, jene mit Vermittlungshemmnissen wie mangelnde Schulbildung einzustellen."

Arbeitsminister Norbert Bischoff (SPD), der als Gastredner zugegen war, kündigte an, dass das Land die Betriebe unterstützen will, die auch schwächeren Bewerbern eine Chance geben. "Wir müssen außerdem den 25- bis 30-Jährigen eine Perspektive eröffnen, die in den vergangenen Jahren wegen der angespannten Arbeitsmarktlage bei Stellen leer ausgegangen sind", so Bischoff. Die Lage sei ernst. "Bislang wurde über Fachkräftemangel nur in der Theorie gesprochen - jetzt kommt er in den Betrieben an." Im vergangenen Jahr konnte statistisch betrachtet bereits jeder Bewerber eine Ausbildungsstelle bekommen, in den kommenden Jahren wird es deutlich mehr freie Stellen als Schulabgänger geben. "Auf rund 17000 Stellen kommen dann nur noch etwa 15000 Bewerber", warnt Bischoff. "Mittelfristig werden wir diese Lücke ohne Zuwanderung nicht schließen können."

Unternehmer finden kaum Nachfolger


Die Situation verschärft sich auch dadurch, dass immer mehr Handwerker ihr Rentenalter erreichen, aber kaum Nachfolger finden, die ihre Betriebe übernehmen wollen. Die schwierige Situation hat Jessica Stoltze bereits miterlebt. Ihr Vater, Inhaber des SDS Schlüsseldienstes in Magdeburg, ist 2009 gestorben - es fand sich kein Nachfolger. Stoltze studierte damals Chemie und entschied sich daraufhin, umzusteigen und den Betrieb des Vaters weiterzuführen. Bei der Kammer bildete sich die 28-Jährige hierfür zur Betriebswirtin fort und erhielt dafür nun ihren Meisterbrief - wie Christopher Wendler auch als Jahrgangsbeste in ihrem Bereich. "Jetzt habe ich die nötige Qualifikation, um zum Beispiel die Buchhaltung zu machen und Angebote zu erstellen", so die junge Firmeninhaberin. Und sie hat sich auch schon ein neues Ziel gesteckt: "Ich könnte mir vorstellen, den Betrieb nicht nur weiterzuführen, sondern auch zu erweitern."

Christopher Wendler möchte vor allem eines weiter tun: An den 400-PS-Motoren der Autos schrauben, die Kunden der freien Kfz-Werkstatt anvertrauen. "Mit dem Meisterbrief habe ich allerdings jetzt auch die Möglichkeit, später mal über eine eigene Werkstatt nachzudenken."

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