Wirtschaftsspionage
Das Know-how der deutschen Wirtschaft weckt Begehrlichkeiten nicht nur bei der Konkurrenz, sondern auch bei fremden Staaten. Ausländische Geheimdienste unterstützen damit die Wirtschaft ihres Landes.
Ihnen geht es um wirtschaftspolitische und Wettbewerbsstrategien und um die Beschaffung von technischen Trends, um Kosten für eigene Entwicklungen zu sparen.
Zu den wichtigsten Staaten, die Wirtschaftsspionage betreiben, zählt der Verfassungsschutz etwa China und Russland. Sie nutzen öffentlich zugängliche Informationen via Internet und Datenbanken, Veranstaltungen und Gespräche.
Polizei und Verfassungsschützer raten:
- sich rechtzeitig um das Thema zu kümmern und nicht bis zu einem Spionagefall zu warten
- eigene Informationen Bestandteil der Firmenphilosophie werden lassen
- Sicherheitsstandards regelmäßig überprüfen
- bei Auffälligkeiten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Magdeburg (dpa) l Unternehmen in Sachsen-Anhalt müssen sich aus Sicht von Verfassungsschutz und Landeskriminalamt besser gegen Spionageattacken wappnen.

Beratungsangebote werden oft nicht angenommen

Zwar wachse die Erkenntnis, dass Geschäftsgeheimnisse besser geschützt werden müssen, aber in vielen kleinen und mittleren Unternehmen spiele das noch keine bedeutende Rolle, sagte der Chef des sachsen-anhaltischen Verfassungsschutzes, Jochen Hollmann. Noch zu wenige Firmen holten sich bei Verfassungsschutz und Landeskriminalamt Unterstützung.

Jochen Hollmann und auch das LKA wissen, dass Firmen vor allem eine Rufschädigung fürchten, wenn auch nur der Eindruck von Spionage nach außen dringt. "Es ist eine Gratwanderung zwischen Vertrauen schaffen und Interesse wecken", sagte Hollmann, deshalb bieten er und das LKA in erster Linie Informationsveranstaltungen und Beratungen an.

Im vergangenen Jahr habe der Verfassungsschutz etwa 550 Menschen und knapp 300 Firmen erreicht. Zwei Jahre zuvor seien es rund 100 Firmen gewesen.

"Das Interesse hat zugenommen", sagte Hollmann. Er führe das auf das Engagement seines Hauses zurück, aber auch auf die Medienberichte über die NSA und den Enthüller Edward Snowden.

Erste Hilfen gibt es bei Bedarf über eine Hotline

Seit Mitte 2012 bietet das LKA Unternehmen eine Hotline an für den Fall, dass Daten in einem Verdachtsfall besonders schnell gesichert werden müssen oder Firmen Rat suchen. Laut einem LKA-Sprecher gehen dort pro Woche durchschnittlich bis zu sechs Anrufe ein.