Brüssel/Herzogenaurach (dpa) l Der fränkische Autozulieferer Schaeffler muss wegen verbotener Preisabsprachen eine EU-Strafe von 370 Millionen Euro zahlen. Schaeffler hat nach Erkenntnissen der EU-Kommission gemeinsam mit fünf Konkurrenten die Preise für Wälzlager für Autos und Lastwagen jahrelang künstlich hoch gehalten.

Die Firmen hätten mit geheimen Absprachen sieben Jahre lang den Kunden aus der Auto- und Lastwagenindustrie geschadet. Die Kommission verhängte am Mittwoch gegen die Mitglieder des Kartells Geldbußen von insgesamt mehr als 953 Millionen Euro. Dazu gehören auch die schwedische SKF sowie vier japanische Autozulieferer.

Wälzlager sind ein wichtiger Bestandteil für viele Autoteile wie etwa Radlager, Getriebe, Kupplung, Lichtmaschine und Klimaanlage. Sie reduzieren die Reibung zwischen beweglichen Teilen in einem Fahrzeug.

"Ein Auto hat im Schnitt 100 bis 150 Wälzlager - das ist also von großer Bedeutung", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. Der europäische Wälzlager-Markt habe ein Volumen von zwei Milliarden Euro.

Die Strafen seien deshalb so hoch ausgefallen, weil der Markt für die gesamte Wirtschaft wichtig sei und die Absprachen so viele Jahre (2004 bis 2011) dauerten.

Als zum Beispiel die Stahlpreise stiegen, gaben die Teilnehmer des Kartells diese Erhöhung nach Erkenntnissen der EU-Kommission direkt an ihre Abnehmer in der Autoindus-trie weiter. Sie sollen sich auch bei Kostenvoranschlägen und den jährlichen Rabatten für die Abnehmer abgesprochen und vertrauliche Geschäftsinformationen ausgetauscht haben. "Das ist ein ganz klarer Verstoß gegen die EU-Regeln, die Kartelle verbieten", rügte Almunia. "Kartelle schränken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie ein."