Nichts für Langschläfer: Um 5 Uhr morgens mussten am Freitag in Iden und Klein Schwechten in der Altmark die Teilnehmer beim Landeswettbewerb im Melken antreten.

Iden/KleinSchwechten l Mit zittrigen Händen legt sich Janina Schulz die Schürze um. Tiefes Durchatmen. Dann schreitet sie zur Tat und bereitet das Melkgeschirr vor. Die drei Prüfer hinter ihr verfolgen jede Handbewegung.

Es ist 5 Uhr morgens im Milchviehbetrieb Iden. Kein Morgen wie jeder andere, denn heute findet der Praxisteil des Landeswettbewerbs im Leistungsmelken statt. 15 Lehrlinge stellen dabei parallel in Iden und dem elf Kilometer entfernten Klein Schwechten ihr Können am Euter unter Beweis. Den Besten winkt im April eine Teilnahme am Bundesentscheid. Gerade wurde die Reihenfolge ausgelost, in der die Azubis heute antreten. Janina Schulz ist die Erste und freut sich, dass sie es schnell hinter sich haben wird. Trotzdem ist sie nervös.

Den 420 Kühen ist das egal. Wie jeden Morgen um diese Uhrzeit wollen sie von ihrer Milchlast erleichtert werden. Bevor Janina Schulz jedoch die Melkbecher an die Zitzen ansetzen kann, muss sie sich mit dem Tier vertraut machen. Die Kontaktaufnahme, so der exakte Begriff auf dem Prüfungsbogen, ist einer von neun Abschnitten, die beim Melken mit Punkten bewertet werden. Auch Geschwindigkeit wird berücksichtigt.

"Jede Kuh reagiert anders", weiß Schulz. Mit sanften Berührungen bereitet die 20-Jährige die Tiere auf die bevorstehende Prozedur vor. "Manchmal rede ich ihnen auch gut zu, damit sie sich beruhigen und nicht treten." Es scheint zu wirken. Die zehn Kühe, um die sie sich zeitgleich kümmern muss, halten still.

Der Melkschemel gehört der Vergangenheit an

Wettbewerbsrichter Wolfgang Döring notiert sich etwas auf seinem Block. Ob die Auszubildende alles richtig macht, lässt sich seiner Miene nicht entnehmen. "Typische Fehler sind das Verdrehen des Melkgeschirrs oder das Vergessen des Vormelkens." Bevor man beginnt, müsse zudem das Euter gereinigt werden. "Hygiene ist oberstes Gebot. Die Kuhmilch soll später ja auch bedenkenlos getrunken werden können."

Der 72-Jährige hat noch das Melken von Hand gelernt. So idyllisch das Bild des Bauern auf dem Melkschemel auch sei, Döring ist dankbar für die modernen Melkmaschinen. "Bei einer Herde von über hundert Tieren wäre das Arbeitspensum ohne moderne Technik nicht zu bewältigen."

Neben dem eigentlichen Melken wird an diesem Morgen auch der Milchzelltest abgenommen. Dabei handelt es sich um ein Kontrollverfahren, das die Qualität der Milch eines Euters bestimmt. Der Prüfling entnimmt aus jeder Zitze eine Probe und versetzt sie mit einer Testsubstanz. Anhand der Konsistenz der Mixtur können nun die Qualität der Milchzellen abgelesen und etwaige Entzündungen des Euters ausgeschlossen werden.

Für die Landwirtschaft muss man geboren sein

Janina Schulz hat diese Disziplin bereits am Vortag hinter sich gebracht. Obwohl sie ihre Hände kaum stillhalten konnte, als es darum ging, die Milch auf einer flachen Kunststoffplatte behutsam zu schwenken, damit das Ergebnis abzulesen war.

Für die Abiturientin ist die tägliche Arbeit mit dem Milchvieh das Größte. Aufgewachsen auf dem Hof ihrer Eltern in Döhren hatte sie seit jeher Kontakt mit Nutztieren. Nach der Ausbildung will Janina Schulz studieren. "Am liebsten natürlich Landwirtschaft." Eine Karriere in der Forschung sei jedoch nichts für sie. Sie fühle sich zur körperlich anspruchsvollen Arbeit auf den Höfen berufen. Ob sie den Wettbewerb gewinnt, sei ihr "im Grunde gar nicht so wichtig". Tatsächlich wird sie wenig später zur Siegerin gekürt.

Dass Glück und Unglück in Iden kurz vor Sonnenaufgang ganz nah beieinanderliegen, wird deutlich, als eine andere Teilnehmerin mit Tränen im Gesicht aus dem Melkstand kommt. Ihre Hoffnungen aufs Siegerpodest scheinen dahin.

Den Idener Kühen ist das egal. Sie wollen auch morgen um 5 Uhr wieder gemolken werden.

   

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