Berlin/Nürnberg (dpa) l Die Zahl der Beschäftigten mit einem Nebenjob hat in Deutschland einen Rekordwert erreicht. Im vergangenen Jahr hatten laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstmals mehr als drei Millionen Menschen neben ihrem Hauptberuf einen Zweitjob. Die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Nebenjob hat sich damit seit der Wiedervereinigung mehr als verdreifacht auf zuletzt 3,02 Millionen. In diesem Jahr rechnet das IAB erneut mit einer leichten Zunahme.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg seien Vergünstigungen für Zweitjobs, die die Politik im Zuge der Hartz-Reformen beschlossen habe, sagt IAB-Forscher Enzo Weber. Die meisten Beschäftigten mit Nebenjob - mehr als 2 Millionen - hätten neben ihrem Hauptberuf einen Minijob. Seit 2003 ist der Hinzuverdienst für die Beschäftigten hier praktisch steuer- und abgabenfrei.

Weber kritisiert: "Es ist schwer nachvollziehbar, warum man den Zweitjob so begünstigt." Entlastet würden damit nämlich nicht nur Geringverdiener, die aus finanziellen Gründen zwei Jobs übernehmen müssen. Von der Regelung profitierten auch Gutverdiener mit einer Nebentätigkeit. Laut Weber müsste vielmehr differenziert werden: "Bei Geringverdienern müsste man grundsätzlich die Belastung reduzieren. Das nur über den Zweitjob zu tun, ist wenig zielgenau."

Eigentlich sollen Minijobs zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten für Geringverdiener schaffen und die Hürden für eine Einstellung senken. Die Verdienstobergrenze liegt bei 450 Euro.

Der Zuwachs bei den Beschäftigten mit Nebenjobs hat sich zuletzt aber verlangsamt. 2007 gab es im Vergleich zum Vorjahr noch 184 000 mehr. Von 2012 auf 2013 nahm ihre Zahl nur noch um 52 000 zu. Der Anteil der Nebenjobber an allen beschäftigten Arbeitnehmern liegt derzeit bei acht Prozent. Nebenjobs gebe es vor allem im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen. Dennoch seien sie über den gesamten Arbeitsmarkt "breit gestreut", sagt Weber. Auch jeder hoch qualifizierte beispielsweise in der IT-Branche könne einen Nebenjob annehmen.