Wiesbaden (dpa) l Der Sprit ist billig wie lange nicht und der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln lässt etwas nach: Damit bleibt die Inflation in Deutschland wie im Euroraum niedrig - obwohl die Konjunktur anzieht. Während sich Verbraucher freuen können, hält sich bei Ökonomen die Sorge vor einer Deflation.

Was ist Deflation?
Darunter verstehen Ökonomen eine Spirale sinkender Preise quer durch die Warengruppen.

Was ist schlecht an sinkenden Preisen?
Zunächst können sich die Menschen bei sinkenden Preisen mehr kaufen. Doch bald könnten Einkäufe in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise verschoben werden. Das setzt eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang: Unternehmen machen weniger Gewinn, Investitionen bleiben aus, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck auf die Preise nimmt weiter zu, die Konjunktur wird geschwächt. Die Steuereinnahmen sinken, die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

Droht aktuell eine Deflation?
Im Euroraum halten dies einige Experten für möglich. Denn die Prognosen der Europäischen Zentralbank deuteten auf eine lange Phase mit sehr niedrigen Inflationsraten hin, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kürzlich: "Die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale ist bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten durchaus real." Notenbanker wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann widersprechen dem.

Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?
"Etwa zwei Drittel des Inflationsrückgangs gehen auf fallende Preise für Energie und Nahrungsmittel zurück", sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zur Preisentwicklung im Euroraum. Diese Effekte seien höchstwahrscheinlich nur vorübergehend. In Deutschland war Heizöl im Februar 8,7 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, Benzin 6,3 Prozent.

Steigen die Nahrungsmittelpreise in Deutschland weiter?
Vorerst ja, aber nicht mehr so rasant wie im Vorjahr. Die Preise von Nahrungsmitteln schwanken oft stark und werden nicht nur von Unwettern oder Dürren beeinflusst. "Das milde Wetter dürfte die Nahrungsmittelpreise gedrückt haben. Hinzu kommt der wieder intensiver gewordene Preiskampf im Einzelhandel", sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Warum steigen die Preise hierzulande schneller als im Euroraum?
as ist eine Folge der Anpassungen in Krisenländern des Euroraums. Dort müssen Unternehmen Preise senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Regierungen müssen sparen, um ihre Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust, das Staatsdefizit minimal. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

Wie werden sich die Verbraucherpreise insgesamt entwickeln?
Experten rechnen auch 2014 nur mit moderaten Preissteigerungen. Zwar bestehe in Deutschland durch die anziehende Konjunktur mittelfristig Potenzial für höhere Raten. Doch die niedrigen Importpreise dämpfen den Preisauftrieb. Eine Teuerungsrate von nahe 2 Prozent dürfte so schnell nicht wieder erreicht werden. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter dieser Marke. Nach der EZB-Prognose wird die Inflation im Euroraum in diesem Jahr mit 1,0 Prozent weit vom Zielwert entfernt bleiben.