Berlin (dpa) l Die deutsche Wirtschaft will sich ihre Geschäfte mit Russland trotz der Krim-Krise nicht verderben lassen. "Mit einem Abbruch von Gesprächen und einer weiteren Isolierung Russlands lösen wir keine Probleme, im Gegenteil", sagte der Vorsitzende Eckhard Cordes der "Süddeutschen Zeitung". Er verteidigte die Reise des Siemens-Chefs Joe Kaeser zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Aus der Opposition kam dagegen Kritik an den Reisen. Bahnchef Rüdiger Grube will Mitte April nach Russland reisen, um Vertreter der russischen Staatsbahn zu treffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat trotz des schwelenden Konflikts keine Bedenken gegen die Pflege von Geschäftsbeziehungen deutscher Firmen mit Russland. Grünen-Chef Cem Özdemir hält die Reisen jedoch für problematisch. "Der Zeitpunkt der Reisen ist bemerkenswert", sagte Özdemir in Berlin. "Auch Konzernführer sollten nicht vergessen: Auf Dauer sind die eigenen Investitionen nur in stabilen Demokratien sicher."

Russland ist nach Angaben des Ostausschusses der elftwichtigste Handelspartner Deutschlands. 6200 Unternehmen mit deutscher Beteiligung seien in dem Land aktiv. 350000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen demnach vom Handel mit Russland ab. "Deshalb ist es gut und richtig, dass deutsche Unternehmen in Abstimmung mit der Bundesregierung geplante hochrangige Treffen weiter wahrnehmen", sagte Cordes. Er wandte sich strikt gegen weitere Wirtschaftssanktionen zulasten Russlands.

Siemens-Chef Kaeser hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Putin in Moskau erklärt, man setze auf eine langfristige Wertepartnerschaft. Sein Unternehmen lasse sich "von kurzfristigen Turbulenzen in der langfristigen Planung" nicht leiten. Auch Bahnchef Grube betonte: "Für uns ist das Obergebot im Moment Deeskalation." Die Bahn transportiert Autoteile zwischen den VW-Werken Wolfsburg und Kaluga 180 Kilometer südwestlich von Moskau.