Berlin (dpa) l "Sie kommen Montags zur Arbeit und fragen sich schon nach der Mittagspause: Wann ist eigentlich Wochenende?" Marco Nink hat diesen Satz - mehr oder weniger gewandelt - in den vergangenen Jahren schon oft gesagt. Denn das Problem, das der gelernte Soziologe nun wieder beschreibt, ist längst nicht verschwunden: Gut jedem sechsten Beschäftigten in Deutschland bedeutet sein Arbeitgeber nichts mehr: Er hat innerlich gekündigt. Anzulasten sei das in der Regel aber nicht dem Mitarbeiter - sondern seinem Chef.

Ninks Befund ist zum Teil erwartbar. Denn er hat ihn für Gallup zutage gefördert, ein Beratungsunternehmen, das mit Schulungen für Führungskräfte Geld verdient. Die repräsentative Umfrage, aus der der Fachmann seine Schlüsse zieht, birgt aber tatsächlich Hinweise, wo die deutschen Unternehmen noch besser werden müssen, besonders in einer Zeit, wo viele Branchen schon über Fachkräftemangel klagen.

Allen Managementkursen und Mitarbeiterführungsseminaren zum Trotz gibt es nämlich noch immer zahlreiche Beschäftigte, die ihre eigenen Ideen für unerwünscht halten, mit denen niemand über ihre Fortschritte spricht und die nicht einmal genau wissen, was der Chef von ihnen erwartet. Lob und Anerkennung erhalten sie ebenso wenig wie eine ausreichende Ausstattung, um ihren Job gut zu erledigen.

Zwar sinkt nach Gallup-Schätzung in deutschen Büros und Werkshallen der Anteil derer, die aufgrund solcher Umstände innerlich gekündigt haben und nur noch auf eine Gelegenheit zum Absprung warten. Mit 17 Prozent erreicht Deutschland trotz der guten Wirtschaftslage aber nur das europäische Mittelfeld.

Zwar geben die allermeisten an, zufrieden zu sein, und auch Sorgen um den Job und die Zukunft ihres Unternehmens machen sich immer weniger Arbeitnehmer. 45 Prozent der Beschäftigten meinen nach der Umfrage, dass sie fester im Sattel sitzen als im Vorjahr. Der Anteil derer, die um ihren Job zittern, hat mit 8 Prozent einen Tiefstand erreicht. Das Vertrauen in die finanzielle Zukunft des eigenen Unternehmens erreichte den besten Wert in zehn Jahren. Aber sie dürften ruhig mehr für ihren Job brennen, heißt es.

Gute Chefs können da aus Ninks Sicht viel bewirken, doch viele Posten in den vorderen Reihen seien fehlbesetzt. Führungskraft werde meist, wer lange dabei sei oder wer sich fachlich hervorgetan habe. "Beides befähigt sie aber nicht unbedingt, Mitarbeiter zu führen." Das habe nur jeder zehnte im Blut, ein weiteres Zehntel könne es lernen.

Wer nur fachlich gut sei, solle lieber "seitwärts befördert" werden, empfiehlt Nink. "Es spricht nichts dagegen, dass der Verkäufer ein besseres Gehalt bekommt als der Verkaufsleiter."

Doch auch die Führung von Führungskräften könnte in Deutschland besser sein, wie der Osnabrücker Professor für Personalmanagement, Carsten Steinert, herausfand. Seine Untersuchung ergab, dass das Thema "Führung" in Zielvereinbarungen nur eine untergeordnete Rolle spielt - gute Führung folglich auch zu wenig belohnt werde. Schlimmer noch: "Schlechte Führung wird toleriert, wenn die Zahlen stimmen."

Doch nach anderen Studien ist auch mit guten Chefs allein bei einem Teil der Beschäftigten nicht mehr viel zu holen. Nach einer DGB-Umfrage fühlen sich schon jetzt mehr als die Hälfte der Beschäftigten gehetzt, 80 Prozent klagen über ständig steigende Arbeitsanforderungen.

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