Berlin (dpa) l Es gibt wahrscheinlich nur wenige Experten, die sich mit der Geschichte der Berliner Wirtschaft besser auskennen als Udo Marin. Der Mann ist Geschäftsführer des Verbandes Berliner Kaufleute und Industrieller, einem ehrwürdigen Verein, gegründet im Jahr 1879. Seitdem hat es in der Berliner Wirtschaft viele Umbrüche gegeben.

Wenn Marin also von einer einmaligen Chance spricht, die man ergreifen müsse, weil sie sonst ganz schnell wieder verflogen sein könnte, empfiehlt es sich, genau zuzuhören. Udo Marin spricht von Start-ups. Das sind die Unternehmen, die viele Beobachter meist mit dem Sammeln von Daten, mit Millionenübernahmen und jungen Männern in Kapuzenpullovern verbinden. Firmen, die mit der Idee für eine App die Welt verändern - und gleichzeitig viel Geld verdienen wollen.

Risiko-Geschäft

Marin hat jedoch kein Geld zu verteilen. Er ist trotzdem hier, auf dem Hy-Summit in Berlin, einer Veranstaltung, bei der die aufstrebenden Start-ups Deutschlands zusammenkommen. Auf Veranstaltungen wie dieser bleiben die jungen Firmengründer nicht mehr unter sich. Siemens, Henkel, die Telekom oder die Allianz - die Vertreter der alten Industrie sind auch gekommen.

Es gehe um mehr Austausch zwischen alter Wirtschaft und neuen Ideen, sagte Investor Klaus Hommels. Der Unternehmer aus Deutschland, der mittlerweile in der Schweiz eine Holding betreibt, gilt als einer der bedeutendsten Start-up-Investoren Europas. Er steckte zum Beispiel schon früh Geld in Firmen wie Skype, Facebook oder Spotify.

Investitionen in ein Start-up sind stets ein Risiko-Geschäft, aber eines, das sich in manchen Fällen richtig gut auszahlt. "Nur die großen, unkonventionellen Ideen und Käufe sind es, die einen Unterschied machen", sagte Hommels. Europa sei dabei ins Hintertreffen geraten. Eine Vielzahl personenbezogener Start-ups seien in die USA und nach Asien ausgelagert worden, meint Hommels.

Klappt die Zusammenarbeit, profitieren beide Seiten. Start-ups benötigen Finanzkraft und können von den Kontakten und Vertriebswegen der Konzerne profitieren. Die großen Unternehmen wiederum brauchen Innovationen und frische Ideen der jungen Firmen.

150000 Euro zu gewinnen

Es gibt aber auch Unternehmen, die selbst aktiv auf die Suche gehen - vor allem aus der IT-Branche. Die Deutsche Telekom etwa schrieb kürzlich ihren zweiten "Innovation Contest" aus. Bis zum 11. April können sich Gründer, junge IT-Start-ups und Studenten mit ihren Ideen bewerben. Den Gewinnern winkt eine Finanzierung bis zu 150 000 Euro.

Der Softwarekonzern Microsoft umwirbt die Szene der Gründer ebenfalls intensiv. Neun ausgewählte Start-ups haben bis vor kurzem in der Hauptstadt-Repräsentanz des Unternehmens an Business-Plänen, Verträgen und Strategien für weitere Finanzierungen gearbeitet. Microsoft versteht sich als Starthelfer und will die Jungunternehmer auch mit eigenem Know-how unterstützen. Zudem bekommen sie Zugang zu 36000 Partner-Unternehmen in Deutschland, die Microsoft-Produkte vertreiben oder einsetzen.

Die jungen Firmen befänden sich teils auf sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen, sagte Peter Jaeger, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. Die Gründer müssen überzeugend darstellen, dass sie auch am Markt bestehen können. "Wir können denen nicht das Laufen beibringen", sagt Jaeger.

Die Förderprogramme seien jedoch nicht nur für die Entwicklung der Start-up-Szene da. Die Hoffnung auf die eine große Entdeckung, mit der man Unsummen verdienen kann, schwingt immer mit: "Wir glauben daran, dass die nächste "Milliarden-Dollar-Firma" hier in Berlin zu finden ist", ist Jaeger überzeugt.