Frankfurt/Main (dpa) l Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihr Pulver weiterhin trocken. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag in Frankfurt, den Leitzins im Euroraum nicht noch weiter zu senken, sondern bei 0,25 Prozent zu belassen. Die Leitzinsen stehen bereits seit einiger Zeit auf diesem Rekordtief.

Dabei war die Jahresteuerung im Euroraum im März auf 0,5 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der Wert liegt deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter 2,0 Prozent. Das hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen.

Erst am Mittwoch hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die EZB daher aufgerufen, zur Sicherung der Preisstabilität notfalls auch zu ungewöhnlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen zu greifen. Von einer gefährlichen Deflation könne aber nicht gesprochen werden.

Auch EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt betont: "Wir befinden uns definitiv nicht in einer Deflation." Allerdings hatte die EZB angekündigt, sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall zu stemmen. Dennoch hatte die Mehrheit der Ökonomen nicht mit einer Zinssenkung gerechnet. Sie verweisen darauf, dass die Konjunktur im Euroraum allmählich anzieht. Das stärkt den Preisauftrieb. Zudem ist das Geld bereits extrem billig, doch es kommt bei den Unternehmen in den südlichen Krisenländern nicht an. Meinung