Für die Milchbranche wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos möchte länderübergreifende Erzeugergemeinschaften zulassen. Diese sollen höchstens 3,5 Prozent der europäischen Milchmenge bündeln dürfen. Auf nationaler Ebene soll der Konzentrationsgrad höchstens 33 Prozent betragen. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Nun sollen sich Verbände und Länder positionieren.

Magdeburg. In Deutschland können Milcherzeuger längst die auf ihren Höfen erzeugte Rohmilch gemeinsam vermarkten. Das erlaubt das Marktstrukturgesetz. In Sachsen-Anhalt haben sich etwa zehn Liefergruppen zusammengefunden. Allerdings stärkt das die Bauern-Macht bisher nicht dergestalt, dass sich gewinnbringende Preise erzielen lassen. Was also halten Interessenvertreter von den Vorschlägen der EU-Kommission? Bis zum 14. Januar sollen sie beim Agrarministerium in Magdeburg ihre Stellungnahmen einreichen. Danach müssen die Länderagrarminister möglichst auf einen gemeinsamen Nenner kommen, damit Deutschland in der EU "mit starker Stimme sprechen" kann.

"Die Bündelung der Milchmengen muss vor der Molkerei stattfinden, damit Rohmilcherzeuger als Marktpartner auftreten können und Marktmacht erhalten", betonte Jürgen Meenken vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und Milchbauer in Langenstein bei Halberstadt. Dabei müsse die Bündelung bei den Milchbauern eine deutlich größere sein als bei den Molkereien, so Meenken. Die vorgesehenen Obergrenzen sind dem BDM zu niedrig. Allein die Molkerei Arla würde in Dänemark 95 Prozent der Milchmenge und FrieslandCampina in den Niederlanden 85 Prozent der nationalen Milchmenge auf sich vereinen. Den Bauern wolle die EU-Kommission national aber nur 33 Prozent zubilligen, so Meenken. Das wäre in Deutschland ein Rückschritt gegenüber dem Marktsturkturgesetz, nach dem der Bündelungsgrad bisher etwa 75 Prozent betragen durfte.

Erzeugerverbünde könne man nicht von oben verordnen, sie müssten von unten wachsen, alles andere wäre Planwirtschaft, sagte Landesbauernverbands-Hauptgeschäftsfüh- rer Fritz Schumann. Bisher sei das in diesen Größenordnungen nicht geschehen. Jenen, die sich freiwillig zusammenschließen wollen, biete der Verband Unterstützung an.

Wichtig sei, dass es auch weiterhin die Möglichkeit gibt, bei Überschüssen zeitweise Menge und damit Druck vom Markt zu nehmen. Vor allem aber dürften sich Molkereien nicht nur als Dienstleister sehen, die für die Bauern die Milch verarbeiten. Sie müssten vielmehr Marktpartner werden und den Verkauf aktiv gestalten.

Positiv wertet Schumann das Ansinnen der EU-Kommission, Markttransparenz herzustellen und ein Vertragswesen zwischen Bauern und Molkereien zu etablieren. Da sollen Mengen, Preise und Qualitäten für bestimmte Zeiträume festgelegt werden. "Dann müssen sich die Molkereien bemühen, solche Produkte zu produzieren, für die sie dann auch die vereinbarten Preise erzielen können. Innovation und damit eine höhere Wertschöpfung sei gefragt. Außerdem wären die Molkereien gezwungen, gegenüber dem Handel in den Preisverhandlungen anders aufzutreten. Bisher hätten die Molkereien dagegen nur an die Bauern durchgereicht, was nach Kostenabzug übrig blieb.

Erzeugergemeinschaften müssten, so Schumann weiter, auch zunehmend die Möglichkeit nutzen, einen Teil ihrer Milchmenge am Spotmarkt zu verkaufen. "Wichtig ist, dass es in Zukunft halbwegs eine Gleichberechtigung der Marktteilnehmer gibt." Es bewege sich schon etwas: "Molkereien setzen sich mit ihren Lieferanten zusammen und reden über Beteiligungsmodelle. Es passiert etwas."

 

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