Wernigerode l 20 Millionen Euro hat die KSM Castings-Gruppe 2013/14 in die Hand genommen, um ihr Wernigeröder Werk fit für neue Aufträge zu machen. Fahrwerksteile für drei Nobel-Modelle aus dem VW-Konzern werden im Harz aus Aluminium gegossen, eine zweite Fertigungslinie für Bosch-Diesel-einspritzpumpen-Gehäuse ist bereits montiert.

2009 hatte KSM vom Automobilzulieferer Bosch den ersten Auftrag für diese Gehäuse erhalten. Im Vorjahr wurde die Zusammenarbeit nicht nur erneuert, auch kräftig ausgebaut. Sind bislang 3,5 Millionen Gehäuse in zwei Varianten pro Jahr gegossen worden, werden fortan 6,5 Millionen solcher Teile hergestellt, zudem in inzwischen acht unterschiedlichen Ausführungen.

80 Prozent der Bosch-Gehäuse inzwischen im Harz gefertigt

Europaweit, so Frank Boshoff, Vorsitzender der KSM Castings-Group-Geschäftsleitung, sei man inzwischen der größte Hersteller solcher Einspritzgehäuse für Dieselmotoren. 80 Prozent solcher Bosch-Produkte stamme aus dem Harz. Auf einer weiteren neuen Gießlinie werden Fahrzwerksteile gegossen, die im Audi Q7, im VW Touareg oder auch in Porsches neuestes Modell Macan verbaut werden.

KSM Castings in Wernigerode verstärkt sein Engagement, um unabhängiger von einzelnen Großkunden zu werden. War 2002 bei der Firmenansiedlung im Harz VW alleiniger Vertragspartner, so sind die Wolfsburger inzwischen noch zu rund 66 Prozent für das Umsatzvolumen verantwortlich. Bosch rangiert sich dabei bei sieben Prozent ein.

Die KSM Gruppe war 2005 vom Investor Cognetas erworben worden. Binnen sechs Jahren wurden danach 150 Millionen Euro in die Werke investiert, die sich in Tschechien, in China und an vier deutschen Standorten befinden.

Die Investoren hätten das Geld im Unternehmen gelassen, so Boshoff, und das mit Erfolg. Der Konzernumsatz sei bis 2011 von 250 auf 400 Millionen Euro gestiegen. In jenem Jahr habe der chinesische Staatskonzern CITIC die KSM-Gruppe erworben, und die Asiaten würden ebenso weiter investieren. In diesen Wochen öffnet im US-Bundesstaat North Carolina eine KSM-Gießerei, unweit von Fabriken der deutschen Hersteller BMW und Daimler, der erste Produktionsstandort in Amerika. In China soll in diesem Jahr der Bau eines zweiten Werkes starten, unter dem Label KSM-Gießerei, auch um vom positiven Ruf des "Made in Germany" zu profitieren.

Audi-Prototypen ab 2015 auf neuer Gießstrecke

Weltweit beschäftigt KSM rund 3.000 Mitarbeiter, in Wernigerode sind 380 Frauen und Männer auf einer Produktionsfläche von 23.000 Quadratmetern tätig. Für den inzwischen zweiten Ausbau des Werks ist die Firmenfläche von 35.000 Quadratmetern auf heute 64.000 Quadratmeter erweitert worden. Die Wernigeröder Stadtverwaltung hatte diese Fläche per Option für das Unternehmenswachstum reserviert.

Unterdessen werden die Planungen für eine neue Gieß-strecke vorangetrieben. In weniger als zwei Jahren sollen im Harz auch Bauteile für ein neues Audi-Modell produziert werden. Ziel ist, so Werkleiter Marc Menge, diese Teile zum Einbau in Prototypen und Vorserien Ende 2015 auszuliefern.