Magdeburg l Das warme Winterwetter zum Anfang des Jahres hat dafür gesorgt, dass die Geschäfte der 14.000 Handwerksbetriebe im Norden Sachsen-Anhalts früher als erwartet brummen. Das geht aus der Konjunktur-Umfrage hervor, die die Handwerkskammer Magdeburg am Mittwoch veröffentlichte.

Auftragsbücher für zwei Monate gefüllt


87 Prozent der 410 repräsentativ befragten Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2014 demnach mit "gut" oder "befriedigend". "Vor allem das Bauhauptgewerbe, dessen Aufträge witterungsabhängig sind, ist gut in das neue Jahr gestartet", erklärte Kammer-Präsident Hagen Mauer.

Laut Umfrage entwickelt sich die Auftragslage bei den meisten Betrieben weiter positiv: Im Durchschnitt sind die Auftragsbücher der Firmen für acht Wochen gefüllt, im Vorjahr waren sie das nur für gut sieben Wochen. Die Auslastung liegt im Schnitt bei 79 Prozent und damit vier Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Firmen wollen neue Jobs schaffen


2013 haben die Handwerksbetriebe etwa 69.000 Mitarbeiter beschäftigt, in diesem Jahr sollen der Umfrage zufolge welche hinzukommen. So wollen zehn Prozent der Firmeninhaber die Zahl der Mitarbeiter aufstocken, lediglich fünf Prozent rechnen mit Entlassungen. 85 Prozent gehen davon aus, dass sie ihren Personalbestand beibehalten. Im Bauhaupthandwerk wollen sogar 17 Prozent der Befragten neues Personal einstellen. "Im ersten Quartal 2014 waren die Firmen mit Einstellungen noch vorsichtig, aber das holen viele im kommenden Quartal nach", sagte Hagen Mauer.

Friseure und Bäckereien sorgen sich um Mindestlohnregelung


Pessimistisch in die Zukunft blicken laut Umfrage vor allem Friseure und Bäckereien. "Viele fragen sich, wie sie die Kosten für den Mindestlohn stemmen sollen, den sie ihren Mitarbeitern bald zahlen müssen", erläuterte Mauer. Der Bund hatte beschlossen, dass Unternehmen spätestens ab 2017 mindestens 8,50 Euro pro Stunde an ihre Mitarbeiter zahlen müssen. "Bäckereien können diese Mehrkosten nicht so einfach über höhere Brötchenpreise an ihre Kunden weitergeben", so Mauer. Er betonte allerdings, dass sich die Handwerkskammer vorerst nicht gegen den Mindestlohn positionieren werde. "In den meisten Gewerken wird außerdem schon jetzt mehr als 8,50 Euro pro Stunde gezahlt."

Fachkräftemangel bremst Betriebe aus


Zunehmend schwieriger wird es für Betriebe, neue Mitarbeiter zu finden. "Die Firmen haben vor allem Probleme, Lehrstellen zu besetzen", sagte Mauer. Immer häufiger komme es auch vor, dass Betriebe Aufträge wegen akutem Personalmangel nicht mehr abarbeiten könnten.
Kammer-Geschäftsführer Burghard Grupe kritisierte außerdem, dass der Bund vor allem dem Handwerk finanziell immer mehr zumute.

"Zuletzt wurden die Betriebe durch die Rundfunkbeiträge übermäßig belastet", erklärte Grupe. Viele Handwerksbetriebe litten außerdem unter den steigenden Energiepreisen. "Zusätzliche Gewinne, die durch die gute Konjunktur erzielt wurden, mussten die Betriebe gleich wieder nutzen, um die steigenden Kosten zu decken", so Grupe.