Schwerin (AFP/dpa) l Damit bekäme Jussufows Unternehmen Nordic Yards neben den Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde einen dritten Standort in Mecklenburg-Vorpommern. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann begrüßte die Entscheidung der SPD/CDU-Regierung. Der Vertrag solle im Mai zu Ende verhandelt werden und zum 1. Juni in Kraft treten, sofern der Gläubigerausschuss zustimme, sagte ein Sprecher Brinkmanns.

Nordic Yards hat nach eigenen Angaben angeboten, in Stralsund bis zu 15 Millionen Euro zu investieren und bis zum Jahresende 250 Mitarbeiter einzustellen. Mittelfristig will das Unternehmen 500 Arbeitsplätze in Stralsund schaffen. Der offiziell nicht bestätigte Kaufpreis liegt dem Vernehmen nach bei fünf Millionen Euro.

Nordic Yards sieht im Bau von Konverter- und Umrichter-Plattformen für Offshore-Windparks und von Plattformen für die Öl- und Gasförderung einen Zukunftsmarkt. Ebenso will es weiterhin eisgängige Schiffe bauen. Seit der Übernahme der Werften in Wismar und Rostock vor fünf Jahren hat Nordic Yards unter anderem von Siemens und vom russischen Transportministerium Aufträge erhalten.

Die Stralsunder und die Werft in Wolgast gehörten als P+S-Werften mit rund 1800 Mitarbeitern bis August 2012 zur Bremer Hegemann-Gruppe. Sie hatten trotz erheblicher finanzieller Unterstützung seitens des Bundes und des Landes Insolvenz angemeldet. Nach Angaben des Schweriner Wirtschaftsministers Harry Glawe (CDU) droht das Land für Bürgschaften und Kredite in Höhe von bis zu 270 Millionen Euro in Anspruch genommen zu werden. Beim Bund handele es sich um weitere 220 Millionen Euro. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern prüft seit über einem Jahr, ob die Landesregierung die Insolvenz hätte absehen und Finanzhilfen einsparen können.

Die Wolgaster Werft wurde im Mai 2013 von der Bremer Lürssen-Werft übernommen und fertigt unter anderem Marine-Fahrzeuge. Sie soll auch am Bau von Patrouillenbooten für die Küstenwache Saudi-Arabiens beteiligt werden.

Der Verkauf der Stralsunder Werft hatte sich in den vergangenen Monaten zäh gestaltet: Mehrere Bieter wie eine Holding aus Tatarstan hatten sich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. "Am Ende werden fast 1000 Mitarbeiter wieder auf den Werften in Wolgast und Stralsund arbeiten", sagte Insolvenzverwalter Brinkmann. Alle 50 Konstrukteure und Ingenieure der Ship Design Stralsund GmbH sollen mit dem Übergang an Nordic Yards ein sofortiges Arbeitsangebot erhalten.