München/Magdeburg (AFP) l In vergleichbaren Notfällen würden Autofahrer bevorzugt versorgt, die über den Hersteller ihres Fahrzeugs versichert sind und eine sogenannte Mobilitätsgarantie besitzen, berichtete das Blatt am Mittwoch. Der ADAC dementierte. Alle Pannen würden gleich behandelt. Ausnahmen gebe es nur bei Gefahren.

Die "Süddeutsche Zeitung" beruft sich auf zwei ehemalige Disponenten aus den ADAC-Call-Centern, die für die Koordinierung der Pannenfahrzeuge zuständig waren. "Normale oder ADAC-Plus-Mitglieder mussten warten, wenn wir gleichzeitig Assistance-Kunden mit derselben Dringlichkeit reinbekamen", zitiert die Zeitung einen ehemaligen Mitarbeiter, dessen Name nicht genannt wird. Der zweite Insider habe diese Darstellung in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigt.

"Alle Pannenfälle werden nach Eingang bearbeitet", sagte dagegen ein Sprecher des ADAC in München. Ausnahmen gebe es nur bei Verkehrs- oder Gesundheitsgefährdungen oder bei Anrufen von Müttern mit Kindern im Auto.

In Sachsen-Anhalt fuhren die "Gelben Engel" im vergangenen Jahr 85375 Einsätze. "Jeder Notruf wird in unserem Call-Center aufgenommen und sofort bearbeitet. Die Reihenfolge ergibt sich dabei durch die zeitliche Abfolge der Notrufe, nicht durch die Art des Kunden", betont Christine Rettig, Pressesprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Die Call-Center-Mitarbeiter leiten die Notrufe an die jeweiligen Mechaniker weiter. "Das Call-Center ist je nach Uhr- und Jahreszeit unterschiedlich stark besetzt. Man kann sich den Ablauf wie in einem Taxi-Unternehmen vorstellen. Die Zentrale benachrichtigt den Fahrer und der arbeitet die Ziele nacheinander ab", erklärt Christine Rettig weiter.

Verträge mit 15 Autoherstellern

Kunden mit Mobilitätsgarantie rufen nicht direkt beim ADAC an, sondern bei der Pannenhotline ihres Autoherstellers. Diese leitet die Anfragen dann an die ADAC-Call-Center und deren Disponenten weiter.

Diese sogenannte Assistance-Leistung wird über die ADAC Service GmbH abgewickelt, wie der ADAC-Sprecher sagte. Über die Tochtergesellschaft habe der Club Verträge mit 15 Autoherstellern abgeschlossen, darunter Opel, Mercedes, Ford und Peugeot. 2012 wurden demnach von 4,2 Millionen Pannen 140000 über die Assistance-Programme abgewickelt. Für 2013 lägen noch keine aktuellen Zahlen vor, sagte der ADAC-Sprecher.

Laut einem dritten Insider hat der ADAC in den Verträgen durchschnittliche Zeiten vom Anruf bis zum Eintreffen der Helfer am Pannenort vereinbart. "Damit die Verträge erfüllt werden können, muss das `gemeine ADAC-Mitglied` eben warten", zitierte die "Süddeutsche" den Insider. Der gesamte Pannenservice - die Gehälter der Pannenhelfer, die Dienstfahrzeuge und die Instandhaltung - wird der "SZ" zufolge ausschließlich von den ADAC-Mitgliedern über deren Vereinsbeiträge finanziert.

Der ADAC steht seit Jahresbeginn wegen immer neuer Vorwürfe in der Kritik. Nachdem Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekannt geworden waren, sorgte die Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums für negative Schlagzeilen.