Die vier neuen Bioraffinerien in Zahlen

8,80 Meter hoch sind die Gasspeicher der Anlagen in Niederndodeleben, Oschersleben, Elsteraue und Zerbst.

30 Meter beträgt der Durchmesser in den Speichern, im unteren Teil befindet sich der Fermenter/Faulraum.

50 Millionen Kilowattstunden und mehr soll jede Anlage pro Jahr produzieren, das bedeutet 700 Normkubikmeter Biomethan pro Stunde.

50 Millionen Euro wurden investiert, 25 Arbeitsplätze und 19 Lehrlingsplätze geschaffen.

Zerbst l Täglich wechselte Chris Döhring vergangene Woche die Bühnen. Täglich nahm der Geschäftsführer eine neue Bioraffinerie für Sachsen-Anhalt in Betrieb. Am Mittwoch in Elsteraue, am Donnerstag in Oschersleben, am Freitag in Niederndodeleben und Sonnabend in Zerbst. Fast 50 Millionen Euro haben diese Investitionen gekostet. Geplant und gebaut wurde nur mit einheimischen Firmen. "Nachdem die Schweden sich als unzuverlässig erwiesen und die Spanier in Konkurs gingen", erinnerte Döhring.

Täglich lud er für die Inbetriebnahme Gäste aus Industrie und Politik ein, um das Thema "Grüne Energien" zu diskutieren. Neben Verkehrsminister Thomas Webel, Wissenschaftsminister Hartmut Möllring und Landwirtschaftsminister Herrmann Onko Aeikens (alle CDU) haben sich Landräte, Bürgermeister und Landwirte eine Meinung gebildet. Mit einem Ergebnis: Der Endverbraucher muss für die Energiewende zahlen - dafür braucht es Alternativen. Ein Lösungsansatz der vergangenen Woche: "Wir müssen bereit sein, die regenerativen Energien steuerlich zu finanzieren", sagte Bundestagsabgeordneter Kees de Vries (CDU).

Für Chris Döhring beginnt das Problem bereits mit den gesetzlichen Regelungen. "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist zu unübersichtlich." Das Gesetz soll die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz regeln, und deren Erzeugern feste Einspeisevergütungen garantieren. Dabei brauche das Land solche wie Döhring, findet Wirtschaftsminister Möllring: "Förderrichtlinien allein reichen nicht, wenn niemand sagt, das mach ich."

Und genau das dachte sich Döhring bereits vor acht Jahren. Da enstanden die ersten Biogasanlagen - auf dem flachen Land. "Ich wollte das Gas aber dahin bringen, wo wir gleich Wärme und Strom nutzen können." Einer dieser Orte: Der ehemalige Militärflugplatz in Zerbst. "Wir wollen wertvolle Landwirtschaftsfläche hier bewahren", sagte Andreas Dittmann (SPD). Er ist Bürgermeister der Stadt Zerbst und froh über die Investition. Nicht nur weil sie sechs Arbeits- und drei Lehrlingsplätze bedeutet. Sondern auch weil die Landwirte seiner Region aus Mais, Getreide, Gras und Hühnerkot nun sowohl Gas als auch Dünger gewinnen können. Und vor allem weil die Stadt damit die Chance bekommt, sich autark zu versorgen. Für ihn sind gasbetriebene Autos der Stadtverwaltung und der Einkauf durch die Stadtwerke eine Option.

150 000 Kilowattstunden Biogas wird die Zerbster Anlage nun pro Tag produzieren. Rund um die Anlage sollen zehn neue Windräder in Zusammenarbeit mit der Siemens Energy entstehen und noch mal 200 000 Kilowattstunden produzieren - weit mehr als eine Stadt mit rund 20 000 Einwohnern verbrauchen kann. Auch Solaranlagen hat die Aktiengesellschaft auf dem Flugplatz bereits errichtet. Jedoch: "Der Preis muss für den Endverbraucher stimmen", erklärte Dittmann. Noch sei die Neigung, Öko-Gas einzusetzen, aufgrund des hohen Preises zu gering, erklärte der Gesellschaftervertreter Karl Gerhold gegenüber Minister Möllring. Betrieben werden die Anlagen durch landwirtschaftliche Betriebe aus der Region. 20 Jahre würde es dauern, bis sich die Investition amortisiere. Gerhold plädierte für einen Bestandsschutz. Wer jetzt das Grüngas nutzt, bekommt eine Vergütung. "Das ist vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr so", erklärte Gerhold. Döhring zweifelt jedoch nicht an der Konkurrenzfähigkeit des Biomethans: "Es ist speicherbar und kann damit je nach Bedarf für Stromerzeugung oder Gasnetz eingesetzt werden."

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