Magdeburg l Er habe schon mehr gelacht als in den vergangenen Tagen, gibt Alexander Graf von Bülow zu. Der 61-Jährige ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Freier Tankstellen. Seine Mitglieder klagen über niedrige Spritpreise und über eine scheinbar übermächtige Konkurrenz, die ihnen die Kunden streitig machen will.

"Seit der Einführung der Markttransparenzstelle kann der Mitbewerber sofort den Preis sehen und sich danach richten", erklärt Bülow. Rosige Zeiten waren das, als freie Tankstellen mit ihren günstigeren Spritpreisen der großen Konkurrenz die Kunden weglockten. Doch das ist vorbei. "Das Geschäft ist härter geworden. Es ist ein Preiskampf ausbrochen", so Bülow.

Mehr Informationen und stabilere Spritpreise

Rund 14.300 Tankstellen in Deutschland müssen seit einem halben Jahr ihre Kraftstoffpreise an die Markttransparenzstelle beim Bonner Bundeskartellamt melden. Die Daten werden privaten Anbietern von Apps und Navigationssystemen zur Verfügung gestellt, die sie in ihren Produkten weiterverbreiten. Eine Idee der Bundesregierung, die sich davon mehr Informationen für die Autofahrer und stabilere Spritpreise verspricht.

Ganz aufgegangen ist der Einfall bisher nicht. Durch das stetige Anpassen der Preise sind viele Verbraucher eher irritiert als erhellt. "Die Kunden wünschen sich stabile Preise. Doch durch den Konkurrenzdruck fühlen sich viele Unternehmen genötig, ihre Preise schneller anzupassen", erklärt Tobias Bott, Sprecher des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen.

Zwischen den Tankstellen ist ein Kampf um den Kunden entbrannt. Denn wer die günstigsten Preise hat, lockt automatisch mehr Autofahrer an. "Unser Preis ist immer einen Cent unter dem der Konkurrenz", sagt Lutz Hänsel, der eine freie Tankstelle in Möckern im Jerichower Land betreibt. Erwin Seemann, Tankstellenpächter aus Magdeburg, erkärt: "Durch das Markttransparenzsystem ist es schnell gemacht, seine Preise an die Mitbewerber anzupassen."

Doch der Kraftstoff ist für die Tankstellenbetreiber nur ein Lockmittel. Denn nur mit dem Verkauf von Benzin kommt heute kein Pächter mehr über die Runden. Lutz Hänsel aus Möckern: "Es heißt zwar Tankstelle, aber mit Sprit kann man kein Geld mehr verdienen. Pro verkauftem Liter Benzin machen wir zwischen einem und zwei Cent Gewinn."

Shopgeschäft ist wichtigster Umsatzposten

Zudem ist der Umsatz mit Kraftstoff seit Jahren rückläufig. Die Menschen versuchen, spritsparender zu fahren, die Autos verbrauchen weniger. Die Hoffnungen der Tankstellenpächter: Ist der Kunde einmal da, lassen sich auch andere Dinge verkaufen. So mache der Pächter einer Tankstelle mit Kraftstoffvertrieb auf Provisionsbasis etwa 80 Prozent des Umsatzes über das Shopgeschäft, geht aus einer Branchenstudie 2013 hervor.

Die kleinere Konkurrenz zu unterbieten, um mehr Kunden anzulocken, sei für die Branchenriesen (Aral, Shell, Total) aber keine Option. "Wenn Transparenz in den Markt kommt, kann das zu einer schnelleren Preisanpassung führen", erklärt der Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Letzlich biete das System für die Verbaucher nur Vorteile. So könne gesehen werden, zu welcher Tageszeit der Preis am günstigsten ist.