Saarbrücken (dpa) l Mitten in der Krise haben die ADAC-Funktionäre auf Geschlossenheit gesetzt. Per Handzeichen segneten die Delegierten des 111 Jahre alten Autofahrerclubs die Reformpläne ihrer Führung einmütig ab. Zuvor hatte Präsident August Markl die 197 Vertreter im Saal beschworen: "Ich bitte Sie herzlich, begleiten und unterstützen Sie uns auf dem vor uns liegenden, sicher langen und nicht einfachen Weg."

Dabei musste Markl - das war von Anfang an klar - ein Nein nicht fürchten. Die akribisch vorbereitete Hauptversammlung war für den ADAC ein wichtiger Meilenstein zurück zur Normalität. Doch der Weg wird steinig bleiben. Das Ansehen des mit knapp 19 Millionen Mitgliedern größten deutschen Vereins hat durch die Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel und immer neue Berichte über Vetternwirtschaft nachhaltig gelitten.

"Das Vertrauen ist schwer beschädigt." - Transparency-Chefin Edda Müller

"Das Vertrauen in die Institution ADAC ist schwer beschädigt", konstatierte Edda Müller. Die Chefin von Transparency International sprach für den Beirat, den der ADAC zur Aufarbeitung der Krise eingesetzt hat. Sie ermahnte den Club, dass die bisher gezogenen personellen Konsequenzen kaum reichen dürften. "Damit ist die ADAC-Welt längst nicht wieder in Ordnung." Markl zeigte sich reumütig und kämpferisch. Es müsse selbstkritisch zugegeben werden, dass an Berichten, der den ADAC als eine vor allem am Geldverdienen interessierte Organisation darstellen, "viel Wahres dran" sei. Jetzt sollen laut Markl wieder die Interessen der Mitglieder über den kommerziellen Interessen seiner diversen Tochterunternehmen stehen. Damit stieß die Bundesführung bei den Delegierten auf offene Ohren. "Was die da oben mauscheln, ist nicht in Ordnung. Aber warum sollte ich aus dem ADAC rausgehen: Mir wird geholfen", zitierte Peter Borghaus aus dem Regionalclub Nordrhein aus einem Gespräch mit einem Mitglied.

In der Aussprache warnte allerdings auch der eine oder andere Delegierte davor, mit dem Versprechen eines "neuen ADAC" zu große Erwartungen zu wecken. Reformen ja, aber nur so lange sie dem Vereinszweck - Hilfe, Beratung und Vorteile für die Mitglieder - nicht schaden. An dem Plan, den Reformprozess mit den altgedienten Mitgliedern des Präsidiums umzusetzen, gab es keine Kritik.

"Wir wollen ein Gesicht von draußen." - ADAC-Chef August Markl

Die Delegierten billigten einstimmig den Vorschlag ihrer Führung, die anstehende Präsidiums-Wahl zu verschieben. Auf Dauer will Markl, Vorsitzender des Regionalclubs Süd-Bayern, zwar den Job nicht machen, aber erst mal auf dem Chefposten bleiben. "Wir wollen ein Gesicht von draußen", betonte Markl. Bisher habe man keines gefunden. Bis zum Mai 2015 muss dies aber gelingen, dann wird neu gewählt.

Die positiv beantwortete "Vertrauensfrage" am Ende seiner Rede sei ein geschickter Schachzug von Markl gewesen, meinte Transparency-Chefin Müller. Doch werde es noch so manchen Konflikt geben, wenn es darum geht, die Reformen auch zu realisieren. Markl betonte: Alle Fragen würden innerhalb der nächsten Monate beantwortet.

"Transparenz" lautet das auch in Saarbrücken immer wieder postulierte Ziel. Gerade da gibt es jetzt noch viel zu tun. So konnten oder wollten Markl und die Geschäftsführung keine genaue Übersicht über die ADAC-Wirtschaftsunternehmen geben. Das solle bei der Bilanz-Pressekonferenz im Juni geschehen. "Bisher war das nicht so nötig", sagte Markl auf Anfrage. Hauptziel bleibt es, wie eh und je ein Verein zu bleiben. Steuerliche Erleichterungen seien dabei kein "primäres Ziel", beteuerte Markl.