Sangerhausen (dpa/sj) l Die finanziellen Schwierigkeiten beim Sangerhäuser Fahrradhersteller Mifa sind wesentlich größer als ursprünglich angenommen. Neben einem Fehlbetrag von 15 Millionen Euro im Jahr 2013 gab es auch Verluste in den Vorjahren, wie das Unternehmen am Donnerstag in Sangerhausen in einer Ad-hoc-Meldung für die Börse mitteilte. Betroffen seien die Bilanzposten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fertige Erzeugnisse, wie es in der aktuellen Mitteilung heißt. Dadurch ist über die Jahre insgesamt ein Verlust von 28 Millionen Euro zu verzeichnen.

Unternehmensangaben zufolge erzielte die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG im Jahr 2013 einen Umsatz von 108 Millionen Euro. Er lag damit noch unter der bereits gesenkten Prognose von 115 Millionen Euro. Ursprünglich hatte das börsennotierte Unternehmen im Landkreis Mansfeld-Südharz mit seinen 770 Beschäftigten einen Umsatz von 120 bis 130 Millionen Euro angestrebt.

"Vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse", teilte Mifa mit, rechne der Vorstand nicht mehr, wie noch im März angekündigt, mit einem ausgeglichenen Ergebnis für das erste Quartal. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel nach der Börsenmitteilung um mehr als zwölf Prozent auf aktuell 1,90 Euro.

In den Börsennachrichten wird inzwischen davon gesprochen, dass die aufgelaufenen Verluste bei Mifa nun aufdecken, dass das Unternehmen wegen hoher Kosten seit Jahren defizitär agiert und nur durch massive externe Hilfe überlebensfähig ist.

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urs der Mittelstands-Anleihe stürzt um 40 Prozent


Ein Retter steht offensichtlich bereit: der weltgrößte Fahrradhersteller Hero Cycles aus Indien, der bereits im März eine Absichtserklärung über eine Eigenkapitalbeteiligung in Höhe von 15 Millionen Euro unterzeichnet hatte. Angestrebt wird eine Kooperation bei Einkauf und Produktentwicklung, besonders bei Elektrofahrrädern und -antrieben, hieß es bei Mifa. Vor wenigen Tagen machten Gerüchte die Runde, Hero Cycles wolle Mifa vollständig übernehmen. Dies war jedoch dementiert worden.

Für seinen Einstieg bei Mifa machen die Inder jedoch einen Schuldenschnitt der Gläubiger zur Bedingung. Das Sangerhäuser Werk hatte im Jahr 2013 eine fünfjährige, mit 7,5 Prozent verzinste Mittelstandsanleihe herausgegeben. Die Ratingagentur Feri hatte die Anleihe anfangs noch die vergleichsweise gute Note "BBB-" gegeben, was relativ viele Anleger gelockt hatte. Nach den Entwicklungen in den vergangenen Wochen stufte Feri sie allerdings um sechs Stufen auf "B-" ab. Nun will das Unternehmen alle Anleihegläubiger zur Gläubigerversammlung einladen. Der Kurs der Anleihe stürzte am Donnerstag um 40 Prozent ab.

Bundesweit bekannt wurde die ostdeutsche Firma, als der frühere Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, im Jahr 2011 einstieg. Er und seine Familie sowie der frühere Vorstandschef Peter Wicht sind die größten Einzelaktionäre der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG. Wicht ist wegen Krankheit nicht mehr im Amt - hält dem Vernehmen nach 24 Prozent der Anteile. Maschmeyer soll den Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach 20 Prozent der Anteile halten.

Sanierungsgutachten wird erstellt


Mitte April hatte die Mifa ein neues Führungsduo berufen: Hans-Peter Barth und Stefan Weniger sollen das Unternehmen aus der Krise führen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst Young erstellt derzeit ein Sanierungsgutachten, teilte das Unternehmen weiter mit. Es soll voraussichtlich im Juni vorliegen.

Bereits im April hatte der Landkreis Mansfeld-Südharz dem größten Unternehmen in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands mit frischem Geld unter die Arme gegriffen. Bei einer sogenannten Sale-and-Leaseback-Transaktion hat Mifa dem Landkreis ein Grundstück für 5,7 Millionen Euro verkauft und zurückgemietet.