St. Petersburg (dpa) l Russland muss aus Sicht der deutschen Wirtschaft einiges tun, um das im Ukraine-Konflikt eingebüßte Vertrauen ausländischer Investoren zurückzugewinnen. "Die Russen wissen, dass sie verlässliche Investitionsbedingungen anbieten müssen, wenn sie ausländisches Kapital anlocken wollen", sagte der Chef des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes.

Gemeint ist damit auch eine stabile und berechenbare Politik. Cordes, der am Donnerstag zum Auftakt des Wirtschaftsforums in St. Petersburg ein Podium leitete, betonte, dass laufende Projekte deutscher Unternehmen in Russland durch die Krise nicht gefährdet seien.

Asiatische Unternehmen drängen auf russischen Markt

"Anders sieht das für Unternehmen aus, die neue Aktivitäten in Russland planen. Sie müssen ihre Vorhaben natürlich kritisch prüfen", sagte er. Es gebe eine wachsende Angst in der Wirtschaft vor einem Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges. Allerdings warnten deutsche Unternehmen, die in Russland vertreten sind, in St. Petersburg vor Sanktionen, die den Handel und Kapitalgeschäfte betreffen. Es säßen bereits asiatische Unternehmen in den Startlöchern, um Geschäfte auf dem attraktiven russischen Markt zu übernehmen, sollten westliche Firmen sich zurückziehen.

Der Chef des Handelskonzerns Metro, Olaf Koch, rief in St. Petersburg zur weiteren Zusammenarbeit auf. Das Vertrauen in Russland habe zwar gelitten in den vergangenen Wochen, sagte Koch. "Dialog ist aber der Schlüssel", betonte der Manager. Metro wolle angesichts der "vielen Möglichkeiten" auch künftig hier investieren. Der Düsseldorfer Konzern betreibt in Russland vor allem Cash Carry-Großmärkte sowie Filialen der Kette Media-Markt.

Insgesamt hätten angesichts der politischen Spannungen 34 Konzernchefs auf eine Anreise verzichtet, darunter viele Stammgäste aus den USA, teilten die Organisatoren mit.