Vor fünf Jahren startete das Projekt Bürgerarbeit der Landesregierung Sachsen-Anhalts und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Es wurde im April 2010 bundesweit ausgeweitet. 16 von 191 Konzepten gingen aus Sachsen-Anhalt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein. Die ersten Arbeitsverträge wurden nun an zehn Arbeitslose ausgehändigt – der Startschuss für die landesweite Bürgerarbeit.

Magdeburg. 163 000 Empfänger von Arbeitslosengeld II sind in Deutschland seit Beginn des Bundesprogramms Bürgerarbeit im April 2010 aktiviert worden, davon 28 000 in Sachsen-Anhalt. Bis zum Herbst sollen 4800 sozialversicherungspflichtige Stellen im gemeinnützigen Bereich für Langzeitarbeitslose im Land geschaffen werden, sagte gestern Wirtschafts- und Arbeitsminister Reiner Haseloff (CDU). Er übergab zusammen mit Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) die ersten Arbeitsverträge des Landes an zehn Bürgerarbeiter, die künftig für den Regionalverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Landeshauptstadt das Projekt "Kleiderkammer" betreuen und Kleidungsstücke an Bedürftige ausgeben werden. Sie sind teilweise zehn Jahre auf der Suche nach Arbeit gewesen. "Eigenaktivitäten im Sinne von Bewerbungen laufen weiter, weil das Ziel nach wie vor die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ist. Wir wollen nicht, dass das Konzept eine Einbahnstraße oder Sackgasse ist", stellte Haseloff klar.

Der Bund finanziert die neugeschaffenen Stellen mit jeweils 1080 Euro pro Monat bei einer Arbeitszeit von 30 Stunden in der Woche. Das Land investiert insgesamt 12,4 Millionen Euro in die intensive Aktivierung und Betreuung der Bürgerarbeit. Der Minister hofft dabei auf einen nachhaltigen Effekt: "Wir wissen, dass Bürgerarbeit für viele die entscheidende Chance ist."

Trümper betonte, dass die etwa 700 Stellen, die in der Stadt geschaffen werden, "keine Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt" sind im gemeinnützigen und sozialen Bereich und auch nicht Pflichtaufgaben der Kommune" betreffen. Für ihn sei das Programm sinnvoll "sowohl für den Arbeiter selbst, als auch für die Menschen, die von ihr profitieren".

Allerdings hatte er auch einen kritischen Blick in Bezug auf die Arbeitszeit von 30 Stunden. "Die spannende Frage für mich als kommunaler Vertreter, sind sie mit der Bürgerarbeit aus dem Bezug von Unterkunftskosten raus oder nicht." Dies wolle er für jeden einzelnen wissen. "Erst dann bin ich als kommunaler Vertreter zufrieden, wenn ich weiß, ich habe jemanden in Arbeit vermittelt, der so bezahlt wird, dass ich nicht mehr bezahlen muss." Gegenwärtig zahle die Stadt Magdeburg für 8000 Menschen, die auf Voll- und Teilzeitbasis arbeiten gehen, Unterkunftskosten. "Ich finde positiv, dass die Arbeitslosenzahl gesunken ist. Die Bedarfsgemeinschaftszahl ist dagegen nicht in dem Maß gesunken", merkte Trümper an. Daher sei die Bürgerarbeit ein toller Einstieg, "aber wir wissen alle genau, dass wir damit noch nicht da sind, wo wir eigentlich hinwollen."

Nach Angaben von Haseloff wurden zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits bundesweit 6,3 Prozent der 163 000 aktivierten Langzeitarbeitslosen auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Da die Maßnahmen erst angelaufen seien, ist mit einer Steigerung dieser Quote zu rechnen, so der Minister gestern.

Darauf hofft auch Stefanie Steiniger aus Magdeburg. Die Kellnerin freut sich nun auf ihre Arbeit beim DRK-Regionalverband. "Es ist schön, etwas zu tun zu haben und für andere da zu sein", sagte die Kellnerin, die fünf Jahre arbeitslos war, und fügte hinzu: "Jetzt habe ich wieder eine Perspektive."