Magdeburg l Wenn Unternehmen ihre Produktion ausweiten wollen, benötigen sie neue Hallen oder müssen ältere Gebäude erweitern. Torsten Bäcker hat sich auf den Bau von Gewerbehallen aus Stahl spezialisiert und in nur vier Jahren aus dem Nichts eine Firma aufgebaut, die mittlerweile 16 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von vier Millionen Euro macht.

"Wir bauen Hallen für Autohäuser, Gartenbau-Märkte, Logistikfirmen, Industrieunternehmen - im Prinzip für die ganze Bandbreite", erzählt Bäcker. Sein großes Ziel für dieses Jahr: den europäischen Markt erobern. Ende Mai hat der Ingenieur hierfür einen neuen Produktionsstandort in Schönebeck in Betrieb genommen. 1,5 Millionen Euro hat er mit Unterstützung der Sparkasse und der Investitionsbank investiert, um unter anderem Einhausungen, Vordächer und andere Sonderlösungen aus Stahl selbst dort vormontieren zu können.

Um Aufträge aus EU-Nachbarländern annehmen zu können, muss Bäcker in der kommenden Woche aber noch eine wichtige Hürde nehmen: "Wir brauchen ein entsprechendes EU-Zertifikat, das die Qualität unserer Arbeit bescheinigt", erklärt der Firmenchef. Er ist aber zuversichtlich, dass er dies auch erhält. "Wir haben neben zahlreichen deutschen Kunden bereits auch Anfragen aus Tschechien und Großbritannien", berichtet Bäcker. Erste internationale Aufträge könnte er mit seiner Firma im Fall der Zertifizierung annehmen.Qualitativ hochwertige Arbeit war es auch, mit der es Bäcker geschafft hat, sich mit seiner Firma im deutschen Markt zu etablieren. Mit Firmengründung 2010 plante und baute der Ingenieur für seine Kunden zunächst Systemhallen des Weltmarktführers Lindab.

Großauftrag ebnet den Markteintritt


2011 gelang es Bäcker, den ersten Großauftrag an Land zu ziehen. Für die TAS Transport-Logistik GmbH errichtete er ein 10000 Quadratmeter großes Logistikzentrum in Staßfurt. "Damit konnten wir unseren Markteintritt bestätigen und für Aufsehen bei der Konkurrenz sorgen", erzählt Bäcker. "Wir haben damals bewiesen, dass wir Zeitpläne einhalten und gleichzeitig qualitativ hochwertig arbeiten können." Zudem habe es im Projekt keine Nachträge für den Auftraggeber gegeben.

Um die Wertschöpfung seiner Firma zu steigern, wollte Bäcker fortan nicht mehr nur Systemhallen vertreiben und bauen. "Mittlerweile planen wir Gewerbehallen selber und können auf spezielle Wünsche unserer Kunden eingehen." Im Schnitt konstruiert und baut die Soehne GmbH nun bis zu 15 Stahlgebäude pro Jahr, meist mit einer Flächengröße zwischen 1000 und 7000 Quadratmetern. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld nach FIFA-Norm ist 7140 Quadratmeter groß.

So glänzend Bäckers Geschäfte auch laufen - mit Problemen hat der Unternehmer trotzdem zu kämpfen. Etwa mit der Zahlungsmoral mancher Kunden.

Probleme mit der Internetverbindung


"Leider habe ich gerade wieder so einen Fall", berichtet er. "Bis zur Fertigstellung des Auftrags ist alles gut, aber mit Ausstellung der Endabrechnung spricht der Kunde plötzlich Mängel an und will die Schlussrechnung nicht zahlen." Bislang, erklärt Bäcker, sei es ihm gelungen, sich mit dem Kunden trotzdem noch einig zu werden. Von der Politik würde er sich hier mehr Unterstützung wünschen - wie bei der Internetversorgung. "Hier im Schönebecker Gewerbegebiet ist die Anbindung sehr schlecht", berichtet er. Es würde aber bereits Gespräche mit der Politik, Netzanbietern und ansässigen Firmen geben, wie sich das Problem lösen lässt.

An seinen Expansionsplänen mit seiner Firma hält Bäcker trotz mancher Widrigkeiten aber fest. "Ich war viele Jahre bei einem Großunternehmen angestellt und hatte wenig Zeit für meine Familie - auch weil ich oft im Ausland arbeiten musste", erzählt er. Als Selbstständiger könne er sich nun mit seiner Firma verwirklichen und hat trotzdem noch mehr Zeit für seine fünf Kinder.