Heute Abend wird Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die 76. Internationale Grüne Woche in Berlin eröffnen. Das Partnerland Polen gestaltet das Rahmenprogramm, 5000 Ehrengäste sind zum landestypischen Empfang eingeladen. Ab morgen ist die weltgrößte Schlemmermeile dann für Fachbesucher und Verbraucher geöffnet. Bis zum 30. Januar bieten 1600 Aussteller aus mehr als 50 Ländern Produkte und Informationen.

Berlin/Magdeburg. Bevor das Volk in die Messehallen strömt und auf Häppchenjagd geht, werden Bundesagrarministerin Ilse Aigner und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Spitzenvertretern von Bauernverband und Ernährungsindustrie den Eröffnungsrundgang am Gemeinschaftsstand des Partnerlandes Polen in Halle 11.2 beginnen.

Ungetrübt dürfte die Freude an den Gaumengenüssen aus aller Welt aber diesmal nicht sein. Die Leistungsschau der Land- und Ernährungswirtschaft steht im Schatten des Dioxinskandals: Bei Eiern, Geflügel und Schweinefleisch gingen die Umsätze deutlich zurück.

Die Schweinepreise sind abgestürzt, wie Hauptgeschäftsführer Fritz Schumann vom Landesbauernverband Sachsen-Anhalt berichtet. Das Vertrauen in "made in Germany" hat schwer unter der Krise gelitten, der Export ist deutlich eingebrochen, China und Südkorea haben ihren Markt für deutsches Schweinefleisch geschlossen.

Der Aufwärtstrend von 2010 ist damit gebrochen. Von Januar bis September vergangenen Jahres war der Ausfuhrwert von Fleisch und Fleischerzeugnissen um 2,9 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem in China hatte das Bundesagrarministerium Chancen für weiteres Wachstum gewittert. Die deutsche Landwirtschaft erwirtschaftete etwa jeden fünften Euro im Export, die Ernährungswirtschaft sogar jeden vierten.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner ist um Schadensbegrenzung bemüht. Man könne nicht zulassen, das verseuchte Futtermittel aus mutmaßlich illegalem Handeln die ganze Branche in Verruf bringen. Auf der Grünen Woche soll um Vertrauen geworben und das Bemühen der Land- und Ernährungswirtschaft um Ver- brauchersicherheit dargestellt werden.

Der Verbund Ökohöfe fordert eine grundsätzliche Neuorientierung in der politischen Rahmensetzung der Futtermittelwirtschaft. "Wenn wir Wirkstoffmischungen aus China, Fette aus unklaren Quellen und Gensoja aus Brasilien in heimischen Futtertrögen haben, ist mit der bisherigen Überwachungspraxis keine ausreichende Klarheit und Sicherheit für Futter- und Lebensmittel zu erreichen", betonte Geschäftsführer Jürgen Hartmann in Wanzleben (Börde).

Während die konventionelle Landwirtschaft unter dem Futtermittel-Skandal leidet, erlebt die Bio-Branche einen Boom. Bio-Fleisch und Bio-Eier sind besonders gefragt. Dennoch werden sich die Grüne-Woche-Besucher auch diesmal vermutlich nicht nur auf dem BioMarkt in Halle 6.2a Speisen und Getränke schmecken lassen, sondern die Reise um die Welt genießen, zum Beispiel mit Liebespunsch aus Guadeloupe, mit libanesischem Mokka oder Miesmuscheln aus Norwegen. Rund 400 000 Besucher werden erwartet.

Köstlichkeiten aus Sachsen-Anhalt gibt es in Halle 23b und in Halle 20. Die Unternehmen bringen Bekanntes und ihre neuesten Produkte mit.