Athen (dpa) l Die Absichten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind klar: Mit Geldflut und Niedrigzinsen sollen die Banken vor allem im Süden Europas dazu getrieben werden, endlich mehr Kredite zu vergeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. In Griechenland rührt sich aber nach wie vor nichts. Viele Unternehmer sind ratlos. Vor allem Mittelständler und Kleinunternehmer stecken in der Klemme und kommen an keine Kredite für ihre Investitionspläne. Aber auch die Banker haben Angst. Sie haben mit faulen Krediten mit enormem Ausmaß zu kämpfen.

"Ich sage es ganz einfach: Ich darf nur in meinen Träumen auf einen Kredit hoffen", schildert Hotelier Dimitris Skalides der dpa seine Lage. Er besitzt ein mittelgroßes Hotel im Ferienort Tolo im Osten der Halbinsel Peloponnes. "Ich wollte im Winter einige Zimmer renovieren, weil der Tourismus dieses Jahr boomt, aber ich habe keinen Cent bekommen", sagt Skalides. So könne es kein Wachstum geben und damit auch keine neuen Arbeitsplätze. Auch Restaurant-Besitzer in dem kleinen Hafenort Methoni an der südwestlichen Spitze der Halbinsel klagen, trotz gut laufender Geschäfte sei es zwecklos, für den geplanten Ausbau bei den Banken nach Krediten zu fragen.

Banker sehen sich ihrerseits in der Bredouille. "Wir können nicht gegen die Interessen der Bank Geld verleihen. Wir haben zu viele faule Kredite. Erst müssen wir sehen, was damit passiert", erklärt ein hoher Funktionär der zweitgrößten Bank des Landes. Nach Veröffentlichung der Zentralbank (Bank of Greece) vom Mai erreichen die faulen Kredite, deren Rückzahlung ungewiss ist, ein Volumen von inzwischen gut 71 Milliarden Euro. Das ist fast ein Drittel aller Kredite (rund 215 Milliarden Euro). Und die Aussichten sind schlecht: Mehr als jeder Dritte dieser faulen Kredite wird voraussichtlich nie zurückgezahlt. Denn viele Unternehmen, die Kredite aufgenommen haben, sind inzwischen Pleite gegangen.

Experten gehen sogar davon aus, dass die faulen Kredite Ende des Jahres schon 40 Prozent des Gesamtvolumens der ausgegebenen Kredite ausmachen werden. Auch darin sei ersichtlich, dass Griechenland immer noch in der Finanzmisere steckt. "Zudem fehlen uns rund 80 Milliarden Euro, die die Griechen im Zuge der Finanzkrise ins Ausland geschafft haben oder in Truhen und anderen Verstecken horten", sagt der Banker. "Wie soll ich jetzt unter diesen Bedingungen einen Kredit genehmigen?", fragt er.

Manche Kleinunternehmer haben alles auf eine Karte gesetzt. "Mit drei Freunden haben wir unsere letzten Ersparnisse zusammengekratzt und dieses italienische Restaurant im Zentrum Athens aufgemacht. Wir haben für die Ausrüstung alles selbst gezahlt, alles reingesteckt und beten, dass nichts schief geht", berichtet Neoptolemos Nikolaou. Sein italienisches Restaurant an der Valaoritou Straße kann nach seiner Schilderung derzeit gerade noch überleben. "Wir haben die Preise gesenkt, mit 5,50 Euro kann man bei mir richtig essen, aber die Menschen haben kein Geld", sagt er.

Seit 2009 haben die Griechen durchschnittlich im Verlauf der großen Krise des schuldengeplagten Eurolandes nach offiziellen Angaben mehr als 30 Prozent ihres Einkommens verloren. Gut 26 Prozent sind arbeitslos. Als Tropfen auf dem heißen Stein werden die rund 200 Millionen Euro angesehen, mit denen der deutsch-griechische Förderungsfonds jungen und kleineren Unternehmern unter die Arme greifen soll.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Dieses Jahr boomt der griechische Tourismus. Zwischen 19 und 20 Millionen Besucher werden erwartet. "Es ist die einzige Quelle, die Bargeld ins Land bringt", sagt Hotelier Skalides. Illusionen mache er sich nicht mehr: "Wenn ich von den Banken was erwarte, dann verliere ich nur Zeit."